EXPERTEN

14:04 | 20.03.2017
Analysten Bremer Landesbank – G-20, kein großer Wurf

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0762 (07.28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0728 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 112.66. In der Folge notiert EUR-JPY bei 121.25. EUR-CHF oszilliert bei 1.0725.
Das G-20 Treffen in dem wunderschönen Baden-Baden, das hinsichtlich der neuen US-Administration und der damit einhergehenden Herausforderungen im besonderen Fokus stand, lieferte bestenfalls lauwarme Ergebnisse.
Erkennbar war der Wille, es zunächst zu keinen offenen Brüchen kommen zu lassen. Innerhalb der westlichen Hemisphäre sind jedoch deutliche Fissuren nicht nur bei dem Thema Freihandel und damit dem aggressiven Ansatz der „America first“ Politik auszumachen. Die Trump-Administration steht für Neuformulierungen im G-20 Kommunique, die bezüglich des internationalen Handels als wachsweich definiert werden müssen und der US-Agenda Raum lassen.
Die dadurch ausgelösten verbalen Schulterschlüsse EU/ Japan und EU/China sind noch in den Frühstadien. Sofern die USA das Thema „America first“ forderungstechnisch überlasten, kann damit auch eine zunehmende Isolierung der US-Wirtschaft seitens des Rests der Welt initiiert werden. Es gibt eben keine politischen Einbahnstraßen.
Dieses G-20 Treffen mag ein weiteres Indiz liefern, dass die Welt sich aus der unipolaren Konstellation sukzessive verabschiedet. Es ist hinsichtlich der Verschiebung der finanzökonomischen Machtachsen (Anteil der aufstrebenden Länder an Weltwirtschaft bei 63% nach circa 20% 1990!) grundsätzlich überfällig. Wir bleiben thematisch am Ball.
Nachdem die Niederlande nicht die Erwartungen der antieuropäischen Kräfte innerhalb und außerhalb der EU erfüllten, liefern die aktuellen Umfrageergebnisse aus Frankreich ebenso keine weitere Unterfütterung der Position dieser Kräfte.
Zwei der jüngsten Umfragen zur ersten Runde der Präsidentschaftswahlen signalisieren Entspannung.
In einer Umfrage liegt Macron mit Le Pen bei 26% gleichauf. In einer zweiten Umfrage führt Macron mit 26,5% vor Le Pen bei 26,0%. Fillon rangiert bei lediglich 19%.
In den Umfragen für die entscheidende zweite Runde der Wahl führt Macron deutlich mit 64% zu 36% gegenüber Le Pen. Letzteres ist entscheidend und beruhigt!
Wir freuen uns insbesondere über Macron. Einerseits ist er ein überzeugter Europäer und er hat jungen Mut, Frankreich strukturell weiter zu erneuern.
Unter strukturellen Gesichtspunkten sind die Einlassungen des Chefs der Eurogruppe, Dijsselboem, Ziel führend. Das Modell der Troika hat in der letzten Krise unverzichtbare Dienste geleistet, da die EU/Eurozone für diese Problemfälle strukturell überfordert war. Die Lernkurven daraus sind ernst zu nehmen.
Es bedarf hinsichtlich unserer europäischen Selbstbestimmung eigener Strukturen, um Problemfälle auch ohne internationale Solidarität und damit eben auch Einflußnahme Dritter lösen zu können. Das gilt um so mehr hinsichtlich der neuen Rolle, in der sich die USA gefallen, die den Begriff der internationalen Solidarität äußerst klein schreibt und damit die Realität der realen Komplexitäten sportlich negiert.
Der Chef der Eurogruppe macht sich dafür stark, dass der ESM zu einer mit dem IWF vergleichbaren Institution für den europäischen Raum entwickelte. Damit würde das Modell der Troika perspektivisch obsolet. Das muss das Ziel sein!
Aus der Eurozone erreichte uns am Freitag erneut ein positiver Datensatz. Der Handelsbilanzüberschuß sank in der saisonal bereinigten Fassung von 27,9 Mrd. auf 15,7 Mrd. Euro. In wie weit diese Entspannung der Überschusslage trendfähig ist, muss sich erst noch zeigen.
Positiv schlägt zu Buche, dass die Exporte im Jahresvergleich um 13,1% zulegten und die Importe einen Zunahme um 17,4% verzeichneten. Beides spricht für eine nachhaltige Belebung der Konjunkturlage der Eurozone!
Aus den USA wurde das gewohnte Bild geliefert, eine Divergenz zwischen Stimmung und Realität.
Die Frühindikatoren nach Lesart des Conference Board legten per Berichtsmonat Februar erneut sportlich um 0,6 Punkte zu. Seit August signalisiert diese Zahlenreihe mit latenten Anstiegen (kumuliert beachtliche 2,3 Punkte) verstärkte Realwirtschaft und das Gegenteil ist eingetreten (Enttäuschung im Wachstum per 4. Quartal, GDPNow der Fed Atlanta im 1. Quartal 2017).
„Food for thought!“
Das Verbrauchervertrauen nach Lesart der Universität Michigan legte von 96,3 auf 97,6 Punkte zu. Die Konsensusprognose lag bei 97,0 Punkten.
Die Industrieproduktion in den USA verfehlte per Berichtsmonat Februar mit einem unverändertem Ergebnis im Monatsvergleich nach zuvor -0,1% die bei +0,3% angesiedelte Prognose.
Die Kapazitätsauslastung sank von 75,5% auf 75,4% (prekäres Niveau).
Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0350-1.0320 dreht den Bias zu Gunsten des USD.
Viel Erfolg!


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