EXPERTEN

12:13 | 14.06.2018
Helaba – Marktkommentar Renten: Trading Range: 159.55-160.68, Tendenz knapp behauptet

Die US- Notenbank trug zunehmenden Inflationserwartungen sowie guten
Konjunkturperspektiven Rechnung und erhöhte den Leitzins auf eine
Zielspanne von jetzt 1.75 % bis 2 %. Schwerer wog jedoch die Tatsache,
dass der Rat seine Zinsprognosen anhob und damit auf einen steileren
Zinspfad einschwenkte. In diesem Jahr muss jetzt noch mit zwei weiteren
Zinsschritten gerechnet werden. Das personell veränderte Gremium, in
dem John Williams die „Taube“ William Dudley beerbt und in dem mit dem
Fed- Vize Richard Clarida ein weiterer „Hardliner“ sitzt, wird auch im
kommenden Jahr stärker als bisher angenommen an der Zinsschraube drehen.
Fed- Präsident Powell sagte, die Handelspolitik bereite zunehmender
Sorgen in der Wirtschaft, hinterlasse derzeit aber noch keine Spuren bei
den Daten.
Nach der Fed ist vor der EZB. Für Mario Draghi ist die Ausgangslage
ausgesprochen schwierig. Neben der konjunkturellen Abkühlung muss zu
aller erst die Krise nach der Regierungsbildung in Italien ins Kalkül
gezogen werden. Obwohl viele Ratsmitglieder den Beginn von Diskussionen
über ein Ende der Anleihekäufe ankündigten und sich die Rhetorik im
Vorfeld merklich verschärfte, ist er gut beraten, seine Worte in der
Pressekonferenz mit Bedacht zu wählen. Eine Änderung der Leitzinsen
steht eh vor Mitte 2019 nicht zur Debatte, die Wertpapierkäufe im
Volumen von 30 Mrd. Euro pro Monat laufen noch bis mindestens Ende
September 2018.
Die Renditen für Bundesanleihen haben sich im Vorfeld von FOMC und EZB
kaum von der Stelle bewegt. Die Aufstockung der 10-jährigen
Bundesanleihe um 2 Mrd. Euro verlief angesichts geringer Gebote von nur
1.66 Mrd. Euro enttäuschend. Die Zinsstruktur zwischen 10-und
30-jährigen Bundesanleihen weitete sich geringfügig auf 70 BP aus.
10-jährige Bonds aus Frankreich (0.84 %) und Belgien (0.84 %) holten
gegen Bunds gut zwei BP auf.
Anleihen der EU- Peripherie präsentierten sich nach Abschluss der
Primärtransaktionen in guter Verfassung. Nur SPGBs konnten nicht ganz
Schritt halten. Der Emissionsbetrag in Italien erreichte mit 5.63 Mrd.
Euro nahezu den oberen Rand der anvisierten Spanne. Sehr gute Nachfrage
in 3-jährigen Titel, durchschnittliches Interesse im mittleren Segment
sowie eine solide Orderlage in ultralangen Laufzeiten trugen
gleichermaßen zum Erfolg der Versteigerung bei. Portugal profitierte bei
der Versteigerung von zusammen 1 Mrd. Euro von Fälligkeiten am Freitag.
Der 2.7fache Nachfrageüberhang für 5-jährige (412 Mio. Euro) und 1.4
Mrd. Zeichnungen für die lange Laufzeit (588 Mio. Euro) erlaubten eine
problemlose Platzierung. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer
2.78 %), spanischen (1.40 %) und portugiesische Bonds (1.93 %)
ermäßigten sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 8, 3 bzw. 5
BP.
Am US- Bondmarkt haben sich die Renditen nach dem Zinsentscheid in
unterschiedliche Richtungen bewegt. Während das kurze Ende unter der
Ankündigung schnellerer Zinsschritte litt, legten die Kurse langer
Laufzeiten nach der Zinserhöhung zu. Die US-Erzeugerpreise (0.5 %/3.1 %;
Kernrate 0.3 %/ 2.4 %) lieferten im Vorfeld keinerlei
Entspannungssignale an der Preisfront. Der Abstand zwischen 5- und
30-jährigen Treasuries ermäßigte sich auf 25 BP. In Fernost tendieren
US- Treasuries angesichts überwiegend schwächerer Vorgaben der
asiatischen Aktienbörsen gut behauptet.
Der Bund- Kontrakt (159.80) verlor 5 Stellen, Bobl (131.04) und Schatz
111.90) gingen 3 bzw.1 ½ Ticks niedriger aus dem Markt. Die Rendite der
10-jährigen Bundesanleihe fiel auf 0.48 %, der Renditeabstand zwischen
2-und 10-jährigen Bundesanleihen verringerte sich auf 107 BP. 10-jährige
US- Treasuries rentieren 2 BP niedriger bei 2.95 %. Der Euro klettert
auf 1.181 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steigt auf 66.6 Dollar.
An der Datenfront richtet sich der Blick in erster Linie auf die
Vereinigten Staaten, wo Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (220K) und
Einzelhandelsumsätze (0.4 %; ex Autos 0.5 %) veröffentlicht werden.
Vergleichszahlen aus Großbritannien (0.5 %/2.4 %) sowie endgültige
Verbraucherpreise aus Deutschland (0.5 %/2.2 %) und Frankreich (0.4 %/2
%) runden den Datenkranz ab.
Am Primärmarkt sind in dieser Woche keine Transaktionen staatlicher
europäischer Schuldner mehr geplant. CADES begab eine Anleihe mit
Fälligkeit 25.Oktober 2023 im Volumen von 1 Mrd. Euro 14 BP über
vergleichbaren OATs.
Technik:
Der Bund-Future bewegte sich innerhalb einer engen Spanne und schloss
159.80) 5 Stellen unter Vortagsniveau. Das technische Umfeld im
Tageschart bleibt schwierig. Auf Wochensicht zeichnet sich zunächst
noch keine Wende zum Besseren ab.
Unterstützungen liegen bei 159.63 (Tief v. 13.06.), 159.55 (Tief
v.11.06.), 159.39/37 (Tief v.07./12.06.), 159.15 (Tief v. 24.05.),
158.89 (Tief v. 23.05.), 158.46 (Tief v. 21.05./Trend).
Widerstände sehen wir bei 159.92 (Hoch v. 12.06.), 160.22 (Hoch v.
11./13.06.), 160.48 (Hoch v. 07.06.), 160.68 (Tief v. 05.06.), 160.89
Tief v. 01.06.), 161.13 (Hoch v. 08.06.) 161.31 (Hoch v. 06.06.) und
161.66 (Hoch v. 05.06.).
Unterstützungen 159.55 159.37 159.15
Widerstände 160.22 160.48 160.68


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