EXPERTEN

13:05 | 12.01.2018
Helaba – Marktkommentar Renten: Trading Range: 160.00-161.20, Tendenz sehr schwach

Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands 2017 blieb mit 2.2 % hinter den
Erwartungen zurück. Dennoch ist es das stärkste Wachstum seit 2011 und
wird von einem Haushaltsüberschuss von 38.4 Mrd. Euro flankiert. Die
Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Regierung kommen allerdings
trotz des guten wirtschaftlichen Umfeldes nicht voran. Auch nach 21
Stunden Verhandlungen zeichnet sich keine Einigung ab.
Entscheidende Impulse für die Märkte gingen jedoch Protokolls der
letzten EZB- Sitzung aus. Wie aus der Mitschrift hervorgeht, könnte der
Rat erwägen, mit einer veränderten Wortwahl zur Geldpolitik auf die
weiter wachsende Wirtschaft und steigende Inflationsraten zu reagieren.
Eine Anpassung der Kommunikation könne schon sehr früh in diesem Jahr
erfolgen, bedeute aber keine grundsätzliche Änderung bei der
allmählichen Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik. Es sei aber
wichtig, „die Forward Guidance entsprechend der Datenentwicklung zu
aktualisieren, um abruptere und ungeordnete Anpassungen zu einer
späteren Phase zu vermeiden“.
An den Bondmärkten wurden diese Aussagen als Hinweis auf eine baldige
Straffung der Geldpolitik interpretiert. Bundesanleihen brachen ihren
zarten Erholungsversuch ab und rutschten tief ins Minus. Während kurze
und mittlere Fälligkeiten heftig auf die forcierten Zinserwartungen
reagierten, hielten sich ultralange Laufzeiten etwas besser. Der
Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln ermäßigte sich auf 76
BP. Während die Abwärtsbewegung mit einem deutlichen Anstieg des
Volumens am Terminmarkt einherging, stützten in der Kasse die hohen
Beträge aus Tilgungen und Kuponzahlungen Anfang kommender Woche. 45 Mrd.
Euro aus Italien, Österreich und den Niederlanden suchen Wiederanlage
und sollten einen weiteren Abschwung zumindest erschweren. 10-jährige
Bonds aus Frankreich (0.86 %) verloren auf vergleichbare Belgier (0.72 %
knapp einen BP.
Anleger an den Bondmärkten der EU- Peripherie atmeten nach Auslaufen der
ersten großen Emissionswelle dieses Jahres hörbar auf. Die Auktion 3-
und 7-jähriger BTGPs verlief zwar eher schleppend, am Ende überwog
jedoch Erleichterung. Investoren nutzten attraktive Rendite zum
Einstieg, Portugiesen standen auf den Einkaufszetteln ganz oben. Der
Schwerpunkt des Interesses lag auf langen und ultralangen Laufzeiten.
Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (2.03 %), spanischer
1.51 %) und portugiesischer Bonds (1.79 %) ermäßigte sich gegenüber
vergleichbaren Bundesanleihen um 5, 5 bzw. 8 BP.
Der US- Bondmarkt konnte sich dem Druck aus der Eurozone nicht
vollständig entziehen, zeigte sich aber nach überraschend rückläufigen
Erzeugerpreisen (-0.1 %/2.6 %; Kernrate -0.1 %/2.3%) widerstandsfähig.
Auch das außerordentlich lebhafte Interesse bei der Versteigerung
30-jähriger Bonds mit einem überdurchschnittlichen 2.74fachen
Nachfrageüberhang und einem stolzen Anteil von 71.5 % indirekter Gebote
verscheuchte Zinsängste. Der Abstand zwischen 5- und
30-jährigenTreasuries ermäßigte sich auf 54 BP. Die Rekordjagd von Dow
Jones, S&P 500 und Nasdaq störte nicht. In Fernost tendieren
US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Aktiennotierungen wenig
verändert.
Bund- (160.50) und Bobl- Kontrakt (131.18) verloren 82 bzw. 43 Stellen,
der Schatz (111.875) ging 10 Ticks höher aus dem Markt. Die Rendite der
neuen 10-jährigen Bundesanleihe stieg auf 0.57 %, der Renditeabstand
zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen weitete sich auf 115 BP aus.
10-jährige US- Treasuries rentieren einen BP höher bei 2.54 %. Der
Euro klettert auf 1.206 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steigt auf
63.6 Dollar.
Zum Wochenschluss geht der Blick an der Datenfront wieder Richtung
Vereinigte Staaten. Die Verbraucherpreise (0.1 %/2.1 %; Kernrate 1.7 %)
dürften einen nur moderaten Anstieg verzeichnen und die Zinserwartungen
nicht weiter beflügeln. Dagegen werden Einzelhandelsumsätze für Dezember
(0.5 %; ex Auto 0.4 %) belegen, dass die US- Konsumenten unverändert
guter Dinge sind.
Die italienischen Produktionszahlen (0.6 %/3.3 %) sollten den positiven
Trend in Europa bestätigen, den Markt aber nicht entscheidend bewegen.
Am Primärmarkt sind heute keine Transaktionen staatlicher europäischer
Schuldner geplant.Die nächste Woche startet mit der Aufstockung von
10-und 20jährigen Bonds der Slowakei. Die Finanzagentur des Bundes
bietet 1.5 Mrd. Euro der 30-jährigen Bundesanleihe an, Spanien und
Frankreich geben heute Einzelheiten ihrer Kapitalmarktauftritte in der
zweiten Wochenhälfte bekannt.
Die NordLB begab einen 10-jährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 1
Mrd. Euro bei Midswap -8 BP. Die EIB emittierte einen 30-jährigen Bond
Oktober 2048) im Volumen von 2.5 Mrd. Euro einen BP über Midswap.
Technik:
Der Bund-Future verlor von seinem Tageshoch bei 161.55 über eine Punkt
und schloss (160.50) 82 Stellen unter Vortagsniveau. Die Indikatoren im
Tageschart sind klar nach Süden gerichtet. Auf Wochensicht hat sich die
Lage mit Bruch der wichtigen Unterstützung bei 160.98 zugespitzt.
Unterstützungen liegen bei 160.27 (Tief v. 11.01.), 160.10 (Trend),
160.00 (Tief v.11.05 cont.), 159.78 (Tief v. 28.09.), 159.09 (Tief
v.17.03. cont,), 158.73 (Tief v. 14.03.) und 158.55 (50 %-Retracement
von 148.23 bis 168.86).
Widerstände sehen wir bei 160.91 (Tief v. 10.01.), 161.20 (Tief v.09.01.
,161.37 (Hoch v. 10.01.), 161.55 (Hoch v.11.01.), 161.87 (Hoch v.05.01.
und 162.00/04 (Hoch v.09./ 08.01.).
Unterstützungen 160.27 160.10 159.78
Widerstände 160.91 161.20 161.55


NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt unseren
aktuellen Newsletter

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

10:55 Uhr | 22.01.2018
ANALYSE-FLASH: Commerzbank ...


10:53 Uhr | 22.01.2018
AKTIE IM FOKUS: Anleger verkaufen ...


10:51 Uhr | 22.01.2018
ANALYSE-FLASH: Hauck & ...


10:39 Uhr | 22.01.2018
AKTIE IM FOKUS: Steinhoff mit ...


10:36 Uhr | 22.01.2018
ROUNDUP: Sanofi will Bioverativ ...