EXPERTEN

13:42 | 04.12.2018
Helaba – Marktkommentar Renten: Trading Range: 161.27 – 162.10, Tendenz gut behauptet

Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern des verarbeitenden Gewerbes
Spaniens ist besser als erwartet, das Sorgenkind bleibt die Industrie
Italiens. Der immer größer werdende Abstand zur Expansionsschwelle
macht die Budgetverhandlungen mit der EU nicht einfacher. Schwache
Vorgaben aus Frankreich und Deutschland lassen zudem für die Eurozone
kaum Wachstumsfantasie aufkommen.
Im Mittelpunkt stand allerdings die Deeskalation im Handelsstreit
zwischen China und USA. An den Aktienmärkten in Fernost hielt die
Freude jedoch nur kurz. Sofort kommen Zweifel auf, ob die Frist von 90
Tagen, in der keine Zölle erhöht werden sollen, sinnvoll für eine
tragende Vereinbarung genutzt werden kann.
Vor dem Jahreswechsel rücken zudem andere wichtige Entscheidungen ins
Blickfeld der Anleger. In London kämpft Premierministerin May um ihr
politisches Überleben. Bis zum 10. Dezember, der Abstimmung im
Unterhaus über den Brexit- Deal, wird sich Widerstand bei Gegnern und
im eigenen Lager formieren.
Hierzulande wird über die Nachfolge von Angela Merkel als
Parteivorsitzende entschieden und damit auch die Weichen für die Zeit
nach ihrer Kanzlerschaft gestellt.
In der kommenden Woche ist dann die EZB gefragt. Neben neuen Wachstums-
und Inflationsprognosen liegt hier der Schwerpunkt auf Informationen zur
Reinvestitionsstrategie 2019. Und kurz vor Weihnachten wird zu guter
Letzt die US- Notenbank noch erklären müssen, ob sie den ständigen
Interventionen von Donald Trump nachgeben und das Zinserhöhungstempo
drosseln wird. Die robuste Konjunkturentwicklung liefert dafür
jedenfalls keinen Ansatz.
Vor diesem Hintergrund blieben Sicherheitsanforderungen der Anleger
hoch. Bundesanleihen machten anfängliche Kursrücksetzer schnell wett
und drehten gegen Handelsschluss mit zunehmender Verunsicherung wieder
ins Plus. Die Bundesbank bleibt mit Blick auf das nahende Jahresende
ausgesprochen aktiv. Das hohe Volumen an der EUREX ist auch dem
anstehenden Wechsel in den März-Kontrakt geschuldet. Der Abstand
zwischen 10- und 30-jährigen Papieren verringerte sich auf 67 BP.
10-jährige Bonds aus Frankreich (0.69 %) und Belgien (0.76%) büßten
auf Bunds einen BP ein.
Anleihen der EU- Peripherie starteten nach der Zusage der italienischen
Regierung, die von der EU geforderten Ausgabenkürzungen um 4.5 Mrd. Euro
zu akzeptieren, mit Kursgewinnen in die neue Börsenwoche. Der
Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3.14 %)
ermäßigte sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 6 BP auf 284
BP. Spanische (1.49 %) und portugiesische Bonds (1.80 %) holten in
ihrem Windschatten 0.5 bzw. 2 BP auf.
Am US- Bondmarkt sind die Renditen trotz guter Konjunkturdaten und
freundlicher Aktiennotierungen deutlich gefallen. Der ISM- Index –
Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg im November überraschend von
57.7 auf 59.3 Punkte an. Allerdings fiel die Subkomponente für
„Bezahlte Preise“ nachhaltig von 71.6 auf 60.7 Punkte und lieferte das
Argument für ein gebremstes Zinserhöhungstempo seitens der Notenbank.
Mit Unterschreiten des psychologisch wichtigen Renditeniveaus von 3 %
für 10-jährige Notes gewann die Bewegung an Fahrt. Der Abstand zwischen
5- und 30-jährigen Treasuries verringert sich um 5 auf 40 BP.
Heute in Fernost tendieren US- Treasuries angesichts sehr schwacher
Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen angeführt von langen und
ultralangen Laufzeiten weiter freundlich.
Der Bund (161.66) legte 18 Stellen zu, Bobl-(132.00) und
Schatz-Kontrakt (112.025) gingen 8 bzw. 2 ½ Ticks höher aus dem Markt.
Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe fiel auf 0.30 %, der
Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen verringerte
sich auf 90BP. 10-jährige US- Treasuries rentieren 10 BP niedriger bei
2.94 %. Der Euro klettert auf 1.138 Dollar, der Preis für das Barrel Öl
fällt geringfügig auf 53.4 Dollar.
Heute stehen datenseitig keine wichtigen Informationen auf der Agenda.
Die Chefs der großen deutschen Autobauer sind ins Weiße Haus geladen,
um ihrerseits die Einführung von Strafzöllen zu verhindern. BMW und
Daimler haben bereits angekündigt, Teile der Produktion in die USA zu
verlegen.
Am Primärmarkt stockt Großbritannien im April 2024 fällige Gilts um 2.5
Mrd. GBP auf. Zur Wochenmitte ist dann Spanien (bis zu 3.5 Mrd. Euro
10/2021, 07/2023 & 07/2028) am Zug, Frankreich (4 Mrd. Euro 05/2025,
04/2026 & 11/2026) beschließt die Emissionsaktivitäten dieses Jahres am
Donnerstag. EUROFIMA begab eine Nachhaltigkeitsanleihe mit Fälligkeit
09. 02.2024 im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +4 BP.
Technik:
Der Bund-Future setzte seinen Aufschwung nach schwachem Start fort,
markierte ein neues Kontrakthoch bei 161.70 und schloss (160.66) 18
Stellen über Vortagsniveau. Der Ausblick im Tageschart hat sich nach
dem „Outside Day“ wieder aufgehellt. Auch im Wochenchart ist der
Aufwärtstrend intakt.
Widerstände sehen wir bei 161.70 (Hoch v. 02.12.), 161.80 (Wochentrend),
162.10 (Tief v. 29.08.), 162.28 (Tief v. 02.09. cont.), 162.45 (Tief v.
06.09./Gap) und 162.66 (Monatstrend).
Unterstützungen liegen bei 161.27 (Tief v. 30.11.), 161.01 (Tief v.
03.12.), 160.93 (Wochentrend), 160.68 (Trendkanal), 160.51 (Tief v.
23.11), 160.24 (Tief v. 19.11.) und 160.03 (38.2 %- Fibonacci von 157.33
bis 161.70).
Unterstützungen 161.27 161.01 160.68
Widerstände 161.80 162.10 162.45


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