EXPERTEN

11:45 | 12.09.2017
HSBC T&B – Aufwärtstrend bei britischer Inflation hält noch an

In Großbritannien sollte der Aufwärtstrend bei der Inflation noch intakt bleiben, der
sich vor allem durch die spürbare Abwertung des britischen Pfundes im vergangenen
und im laufenden Jahr eingestellt hat. Im August dürfte dabei die Jahresrate der
Konsumentenpreise um 0,2 Prozentpunkte auf 2,8 % gestiegen sein. Einen höheren
Wert gab es – mit der Ausnahme vom Mai – zuletzt im April 2012. Für das Gesamtjahr
zeichnet sich im Durchschnitt ein Zuwachs von 2,7 % ab (2018e: 2,9 %). Dabei
kratz die Teuerung u. E. bis zum Herbst 2018 an der 3 %-Marke.
Im Berichtsmonat haben die Pfund-Schwäche und die etwas höheren Ölpreise sowie
die von „British Gas“ angekündigten Strompreiserhöhungen um 12,5 % auf die Preise
durchgeschlagen. Gleichwohl bleiben wir bei unserer bisherigen Meinung: Nicht nur
am kommenden Donnerstag, sondern auch im weiteren Verlauf von 2017 wie auch in
2018 wird die Bank of England nicht auf einen restriktiven geldpolitischen Kurs einschwenken.
Angesichts der „Brexit“-Risiken sowie des weiter nur schwachen Lohnwachstums
bleibt die Notenbank auf absehbare Zeit wohl neutral an der Seitenlinie.
Das Monetary Policy Committee (MPC) ist nach der Neubesetzung offener MPC-Stellen mittlerweile wieder vollständig. Wir gehen davon aus, dass am Donnerstag erneut zwei der dann neun stimmberechtigten MPC-Mitglieder für eine unveränderte Geldpolitik votieren (die Abweichler dürften Michael Saunders und Ian McCafferty sein). Nicht auszuschließen ist mit Blick auf die zuletzt soliden Konjunkturdaten indes, dass sich mit Chefvolkswirt Andy Haldane ein weiterer „hawkisher“ Notenbankvertreter der Minderheitsmeinung anschließt und für eine unmittelbare Anhebung der Bank Rate (aktuell: 0,25 %) um 25 BP stimmt.
Bei der ersten Abstimmung im britischen Parlament zum EU-Austrittsgesetz („European Withdraw Bill“), auf dessen Basis bis zum „Brexit“ geltendes EU-Recht in britisches Recht übergehen soll, konnte Premierministerin Theresa May trotz der Gegenstimmen der Opposition eine Mehrheit erringen (326 zu 290). Bevor das Gesetz endgültig verabschiedet werden kann, sind indes weitere Abstimmungen über Ergänzungs- und Änderungsvorschläge nötig. Hier droht heftiger Widerstand, da das EU-Austrittsgesetz der Regierung weitreichende Befugnisse zugesteht, einige Rechtsnormen ohne vollen parlamentarischen Prozess zu ändern. Anschließend gilt es, in den Ausschüssen mehrere hundert Rechtsverordnungen so zu gestalten, dass diese nach dem EU-Austritt ihre nationale Wirksamkeit entfalten können und in Unter- und Oberhaus mehrheitsfähig sind. Das britische Pfund konnte seine Erholungsbewegung zum Euro aus der vergangenen Woche gestern fortsetzen. Die Einheitswährung fiel unter 0,91 GBP zurück und droht erstmals seit Anfang August wieder die runde Marke von 0,90 GBP zu testen. Gleichzeitig musste der Euro zum Wochenbeginn in einem Umfeld kräftig zulegender Aktienmärkte sowie schwächerer Rentenmärkte einen Teil seiner Kursgewinne zum US-Dollar der vergangenen Tage wieder preisgeben und fiel unter die Marke von 1,20 USD zurück.


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