KOLUMNEN

15:00 | 12.04.2017
Ergomed – Die „englische Evotec“ hat viel Luft nach oben

Solides Wachstum als Dienstleister und den gewissen Kick als Entwickler von Medikamenten: mit dieser Kombination lässt es sich an der Börse offenbar gut leben. Ergomed setzt genau auf diese Verbindung und die Aktionäre konnten zuletzt wenig klagen. Denn die in London und Frankfurt notierte Aktie legte in den vergangenen sechs Monaten in Euro gerechnet um mehr als 70% zu.

Doch der aktuelle Börsenwert von rund 90 Mio. Euro muss noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Denn Ergomed setzt auf ziemlich viele Pferde, die derzeit allesamt gut im Rennen liegen. So wurden Entwicklungsvereinbarungen mit den US- Unternehmen CEL-SCI und Aeterna Zentaris, der spanischen Ferrer sowie den schwedischen Gesellschaften Modus Therapeutics und Asarina Pharma geschlossen. Von letztgenanntem Unternehmen gab es zuletzt gute Nachrichten beim Mittel Sepranolon. Das befindet sich derzeit in einer Phase-IIa-Studie und konnte positive Top-Line-Ergebnisse vermelden. Ergomed wird in die nun bevorstehende Phase-IIb-Studie investieren und dabei im Gegenzug eine Kapitalbeteiligung an Asarina erhalten.

Haemostatix-Übernahme könnte zum Game Changer werden

Als Coup mit großer strategischer Bedeutung könnte sich für Ergomed aber vor allem die Übernahme der britischen Biotechfirma Haemostatix erweisen. Hier hatte man im Mai 2016 zugeschlagen und muss bis zu 28 Mio. Euro inklusive Meilensteinzahlungen auf den Tisch legen. Dafür hat Ergomed aber 100% des Unternehmens erworben. An der Börse waren die Anleger zunächst wenig begeistert, denn die Ergoemd-Aktie ging in den Monaten nach der Transaktion auf Talfahrt und markierte bei 1,30 Euro ein Jahrestief. Doch inzwischen erscheinen die Chancen dieser Übernahme bei vielen Investoren in einem anderen Licht.

Haemostatix hat nämlich nun die Phase-IIb-Studie für sein Blutgerinnungsmittel PeproStat eingeleitet. Die Wirksamkeit wird in den nächsten Monaten an 120 Patienten in 30 Studienzentren in sieben verschiedenen Ländern getestet. Bei der „randomisierten plazebokontrollierten doppelt verblindeten“ Studie wissen weder die Ärzte noch die Patienten, wer den Wirkstoff erhält und wer mit einem Placebo behandelt wird. In diesem Rahmen wird PeproStat bei Operationen an Leber, Gefäßen oder auch am Rückenmark zum Einsatz kommen. Mit den Studienergebnissen wird im ersten Quartal des kommenden Jahres gerechnet. Gute Daten dürften ein weiterer Treiber für die Aktie sein, denn der Markt für Blutgerinnungsmittel wird weltweit auf rund 2,5 Mrd. USD geschätzt.

Steigende Margen im Stammgeschäft

Und damit erscheint der Börsenwert von 90 Mio. Euro tatsächlich in einem ganz anderen Licht. Hinzu kommt, dass die Investitionen in die Eigenentwicklungen bzw. Co-Developments durch das Stammgeschäft finanziert werden können. Ergomed ist als Dienstleister für Pharmakonzerne bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe und bei der Arzneimittelüberwachung tätig. Und dieses Brot- und Buttergeschäft zeigte in den vergangenen Jahren ein sehr ordentliches Wachstum. Im Jahr 2013 erlöste das Unternehmen 13,14 Mio. Euro und kam auf eine EBITDA-Marge von 3,2%. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 gingen bereits 39,2 Mio. Pfund, also umgerechnet rund 46 Mio. Euro, durch die Bücher. Der Umsatz konnte also binnen drei Jahren mehr als verdreifacht werden. Die bereinigte EBITDA-Marge wurde zudem auf 6% verbessert. Man kann also auch mit den Einnahmen aus dem soliden Dienstleistergeschäft gut wachsen.

Die Aktie hat aufgrund des hohen Auftragsbestands von rund 70 Mio. Pfund (+18,6%) noch Luft nach oben. Die eigenen Entwicklungen sowie die Partnerschaften sorgen dabei für den zusätzlichen Kick und machen aus Ergomed eine Art „englische Evotec“. Nicht nur deshalb haben die Analysten von GBC für die Aktie einen fairen Wert von 3,43 Euro ermittelt. Das Upside-Potenzial liegt also deutlich über 50%.

 

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