KOLUMNEN

14:33 | 01.06.2017
KGV von 2! Gibt es nicht? Gibt es doch!

Ob Putzmeister, der Roboterbauer Kuka oder der Betonpumpen-Hersteller Schwing: Übernahmen durch chinesische Firmen stehen in Deutschland inzwischen auf der Tagesordnung. Wenn es um High Tech-Konzerne geht, werden die Aufkäufer aus dem Reich der Mitte oft kritisch beäugt. Da schüren Politiker gerne die Angst vor einem „Ausverkauf“ deutscher Technologie. Doch in der Praxis zeigt sich oft, dass die Chinesen wissen, was sie tun. Sie lassen die deutschen Mittelständler meist machen. Die haben ja bewiesen, dass sie es gut können.

Für Anleger kann es sich durchaus lohnen, auf solche Übernahmen zu setzen. Bei börsennotierten Gesellschaften gibt es schließlich oft eine Prämie auf den Börsenkurz, die sich sehen lassen kann. Gezielt darauf zu setzen, ist aber sehr schwierig. Zu viele Investoren und Konzerne aus China tummeln sich in diesem Feld. Fakt ist aber, dass die chinesischen Konzerne auf ihren Heimatmärkten gut verdienen und gerne ins Ausland gehen, um durch Zukäufe Marktanteile zu erobern oder die technologische Basis zu verbreitern.

Spreu trennt sich vom Weizen

Für Anleger kann es sich dann aber auch lohnen, einmal auf den heimischen Kurszettel zu blicken, um von der Entwicklung in der Volksrepublik China zu profitieren. In den vergangenen Jahren hatten etliche Mittelständler aus dem Reich der Mitte den Schritt aufs Frankfurt Parkett gewagt. Viele sind gescheitert oder haben dem Image chinesischer Firmen geschadet. Inzwischen aber hat sich das Feld gelichtet und es lohnt sich wieder, genau hinzusehen.

So wagte Decheng Technology im Frühsommer 2016 den Schritt an die deutsche Börse. Der Chemiekonzern stellt hauptsächlich Kunstharze her, die bei Textilien und Lederprodukten verwendet werden. Das klingt erst einmal nicht besonders sexy. Erst auf den zweiten Blick werden die Chancen in diesem Geschäft deutlich. Denn diese Polyurethane zeigen bestimmte Eigenschaften wie beispielsweise Wasserundurchlässigkeit oder Feuerbeständigkeit. Und damit trifft Decheng in der Heimat derzeit den Zahn der Zeit. Denn nach etlichen Brandkatastrophen mit vielen Opfern hat die Regierung in Peking insbesondere beim Brandschutz die Daumenschrauben angezogen. Decheng profitiert so von höheren Anforderungen an Gebäudeverkleidungen oder Isolierungen.

Übernahmen im Fokus

Doch Gründer und Vorstandschef Xiaofang Zhu hat noch weitere Märkte im Blick. Decheng expandiert seit Kurzem mit neuen Produkten in den Bereich Smartphones und Tablets. Hier winken höhere Margen als im Stammgeschäft. Zudem blickt man nun verstärkt nach Deutschland und ins angrenzende Ausland. Denn dort sucht man Partner oder mögliche Übernahmeziele, um das eigene Produktportfolio im High Tech-Bereich zu erweitern. Das war übrigens der wichtigste Grund für den Börsengang in Deutschland. Decheng will im besten Fall ein Unternehmen aufkaufen, das komplementäre Produkte hat, die in China über die eigenen Vertriebskanäle vermarktet werden können, wie Finanzchef Guan „Rick“ Hoe jüngst auf der Bilanzpressekonferenz sagte.

Für mögliche Übernahme ist die Kasse von Decheng gut gefüllt. Aktuell verfügt das Unternehmen über 39 Mio. Euro an Cash. Im Geschäftsjahr 2016 lag der Konzern operativ auf Kurs. Der Umsatz wuchs um 8,7% auf 75,8 Mio. Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern weitete sich um knapp 8 Prozent auf 28,8 Mio. Euro aus. Beim Gewinn je Aktie blieben 0,88 Euro hängen. Damit kommt die Decheng-Aktie aktuell auf ein 2016er KGV von unter 3. Dabei ist diese Betrachtung noch nicht einmal cashbereinigt.

Dividendenrendite von mehr als 5%

Die Anleger erwartet im August dann eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie, die Dividendenrendite liegt somit bei über 5 Prozent. Dieses Jahr will Decheng die Einnahmen weiter steigern. Interessant wird es aber vor allem auf der Gewinnseite. Denn einerseits fallen die IPO-Kosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro weg. Zum anderen dürfte die Übernahme oder der Zusammenschluss mit einem deutschen Unternehmen zu einer Neubewertung der Aktie führen. Denn dann würden Anleger mehr Vertrauen in Decheng gewinnen, der „China-Abschlag“ würde zu einem guten Teil wegfallen.

Momentan ist der Titel eher für risikobereite und erfahrene Anleger geeignet, die ihr Exposure in China aufbauen oder vergrößern wollen. Die Aktie (ISIN: DE000A1YDDM9) kommt auf ein geschätztes KGV von 2, denn der Gewinn je Aktie dürfte 2017 bei rund 1 Euro liegen. Aufgrund des überschaubaren Handelsvolumen sollte man seine Kauforder streng limitiert platzieren.

 

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