AGENTURMELDUNGEN

16:33 | 13.06.2018
Börse Frankfurt-News: “Noch neutraler geht kaum.” (DAX-Sentiment)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 13. Juni 2018. Zahlreiche Investoren haben scheinbar genug von dem
Kursgezuckel rund um den heutigen Stand und trennen sich von Long- wie
Short-Engagements. Das lähmt nach Ansicht Goldbergs den Markt noch mehr.

Während diesmal mit 7 Prozent einige professionelle Investoren die Kursdelle
genutzt haben, ihre bearishen Positionen (vermutlich mit Gewinn) zu
schließen, sind 1 Prozent der Privaten zusätzlich short gegangen. Käufer
brachte das immer noch nicht auf den Plan. Insbesondere bei den
institutionellen Investoren ist der Anteil an neutral gestimmten Anlegern an
der Seitenlinie so hoch wie noch nie. Lediglich 1 Prozent der Profis und 2
Prozent der Privaten haben seit vergangen Mittwoch DAX-Aktien gekauft. Der
Index selbst steht nach Schwankungen wieder auf dem Niveau der Vorwoche.

Joachim Goldberg nimmt an, dass die ehemaligen Bären Gewinne mitgenommen
haben, wenn auch nicht sehr hohe. Als Grund für die ansonsten hohe
Passivität macht der Verhaltensökonom die Trendlosigkeit des Marktes aus.
Die anhaltenden Schwankungen rund um einen scheinbaren Fixpunkt sei
anstrengend für die Anlegernerven und die Belohnung für den Mut falle zu
gering aus. Nach Goldbergs Ansicht bedeuten die jüngsten Positionierungen,
dass große Trends in der nahen Zukunft Mangelware bleiben dürften. Außer sie
kommen aus dem Ausland.

Nachdem der vielbeachtete Gipfel zwischen den USA und Nordkorea wortreich,
aber ohne konkrete Erkenntnisse zu Ende gegangen ist und sich die politische
Lage in Italien zumindest vordergründig beruhigt hat, konzentrieren sich die
Akteure wieder auf andere Dinge. Denn die laufende Kalenderwoche ist mit
wichtigen ökonomischen Daten, aber auch mit zwei Zentralbanksitzungen
gespickt.

Den Anfang macht die US-Notenbank, deren Offenmarktausschuss (FOMC) heute
Abend höchstwahrscheinlich einen weiteren Zinsschritt von 25 Basispunkten
bekannt gibt. Die implizite Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, lag
zuletzt bei 97 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool). Wesentlich interessanter
als die Zinsentscheidung dürften jedoch die neuesten Zinsprojektionen der
FOMC-Mitglieder, die so genannten “Dot Plots”, sein, die darüber Aufschluss
geben könnten, wie viele Zinsschritte die Fed in diesem Jahr noch in
Betracht zieht. Das zweite große Ereignisrisiko stellt die EZB-Sitzung am
morgigen Donnerstag dar, bei der zwar keine sofortigen geldpolitischen
Entscheidungen erwartet werden, aber zumindest eine Diskussion darüber, wann
das Anleihekaufprogramm beendet werden könnte.

Auf diese bevorstehenden wichtigen Ereignisse haben vor allen Dingen die
institutionellen Anleger, die wir allwöchentlich befragen, reagiert. Denn
der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieser Gruppe hat sich gegenüber der
Vorwoche um 8 Punkte auf einen Stand von +1 Punkt befestigt. Dabei stellen
die neutral gestimmten Investoren mit einem Anteil von 35 Prozent zum ersten
Mal seit Beginn der Aufzeichnungen vor knapp 16 Jahren die stärkste Gruppe.
Mit anderen Worten: Viel neutraler geht es nicht, frei nach dem Motto “Nur
keine Fehler machen!”

Dabei geht die Wanderung der Wechselwilligen zum Großteil ausgerechnet auf
die Gruppe zurück, die während der vergangenen fünf Wochen die Mehrheit
gestellt hatte: die Pessimisten. Dies ist insofern ein bisschen erstaunlich,
weil zumindest von den Zentralbanksitzungen tendenziell nicht unbedingt
günstige Nachrichten für die Aktienmärkte zu erwarten sind. Aber
möglicherweise war der Rücksetzer des Börsenbarometers am vergangenen
Freitag in Richtung 12.610 für ehemalige Bären Grund genug, ihre Sicherungen
bzw. Shortpositionen, möglicherweise sogar mit Gewinn, wieder einzudecken.
Indes: Eine risikoaverse Positionierung während der vergangenen drei Wochen
wurde nicht gerade fürstlich belohnt. Tatsächlich waren für die Pessimisten
die immer wieder aufkommenden Erholungsphasen des DAX, die jedes Mal mit
einem zumindest leichten Zittern einhergingen, recht unangenehm.
Offensichtlich sollte damit jetzt Schluss sein.

Privatableger bleiben skeptisch

Unterdessen blieben die Privatanleger überwiegend pessimistisch. In diesem
Panel gab es nur geringfügige Veränderungen – interessanterweise zulasten
der neutral gestimmten Marktteilnehmer -, weswegen sich der Börse Frankfurt
Sentiment-Index dieser Gruppe gerade einmal um einen Punkt auf einen Stand
von nunmehr -9 Punkte verbessert hat.

Der mangelnde Wille vieler Akteure, sich in größerem Maße zu positionieren,
und die hohe Neutralität der institutionellen Anleger sind möglicherweise
nicht einmal auf bevorstehende Risikoereignisse zurückzuführen, sondern
vielmehr auf die fehlende Aussicht auf einen größeren Trend. Denn egal, auf
welcher Seite des Marktes man sich zuletzt gerade mittelfristig positioniert
hat – vielfach musste man zwar keine großen Buchverluste hinnehmen, aber die
Psyche der Akteure musste immer wieder kleine Nadelstiche erleiden.

Für den DAX, der sich bereits im Wochenvergleich in der Punktbetrachtung
zuletzt nicht verändert hat, bedeuten die jüngsten Positionierungen, dass
große Trends – es sei denn, es käme zu großen internationalen Kapitalzu-
oder -abflüssen – zumindest in der nahen Zukunft Mangelware bleiben dürften.
Denn gerade bei den institutionellen Anlegern befindet sich der Börse
Frankfurt Sentiment-Index nicht nur in der absoluten, sondern auch in der
relativen Drei-Monats-Betrachtung nun auf neutralem Niveau.

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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


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