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20:53 | 13.09.2017
OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Indexspekulanten, Kommentar zu Covestro …

Börsen-Zeitung: Indexspekulanten, Kommentar zu Covestro von Annette
Becker
Frankfurt (ots) – Bayer lässt der Ankündigung Taten folgen und
setzt den schrittweisen Rückzug aus dem Kapital von Covestro fort.
Dabei kann sich der Platzierungspreis von 63,25 Euro, den die
Leverkusener beim inzwischen dritten Paketverkauf erzielten, durchaus
sehen lassen – insbesondere, wenn man noch die Schwierigkeiten beim
Börsengang der Kunststofftochter im Herbst 2015 vor Augen hat.

Im Gegensatz zu den vorherigen Blockverkäufen hat sich das Blatt
nun aber für Covestro gewendet. Denn während eine große Platzierung –
Bayer trennte sich erneut von einem Paket von fast 10% – in der Regel
mit einem größeren Kursabschlag verbunden ist, legte der
Covestro-Kurs am Mittwoch um stolze 3,7% zu – im Vergleich zum
Platzierungspreis waren es sogar knapp 8%.

Hinter der auf den ersten Blick ungewöhnlichen Kursreaktion steckt
allerdings mehr, setzen einige Investoren doch offensichtlich auf
einen raschen Einzug des Chemiekonzerns in den Dax, der dann mit
“Zwangskäufen” von Indexfonds verbunden wäre. Immerhin hat sich der
Anteil von Bayer seit Jahresbeginn – ausgehend von über 64% – auf
31,5% verringert.

Die Rechnung der “Indexspekulanten” dürfte jedoch so schnell nicht
aufgehen, setzt die Deutsche Börse bei ihrem Blue-Chip-Index doch vor
allem auf Kontinuität. Nur einmal im Jahr, und zwar auf Basis der
Daten Ende August, wird der Dax regulär auf seine Zusammensetzung
abgeklopft. An den drei übrigen Terminen kann es nur gemäß den
anspruchsvolleren Fast-Exit-/Fast-Entry-Regeln zu einem Wechsel
kommen.

Mit Blick auf Covestro ist ein solches Szenario zwar nicht
grundsätzlich auszuschließen, doch reichte es keineswegs, dass Bayer
ein vergleichbar großes Paket auf den Markt würfe, was frühestens in
90 Tagen möglich wäre. Vielmehr müsste sich auch eines der bisherigen
Dax-Mitglieder disqualifizieren. Der unter diesen Aspekten schwächste
Dax-Wert ProSiebenSat.1 hat zwar im Zuge der Covestro-Platzierung
einen weiteren Platz bei der streubesitzgewichteten
Marktkapitalisierung eingebüßt, doch rangieren die Münchner weiterhin
auf dem für den Verbleib notwendigen Platz 35.

Keine Frage, dass Covestro gute Chancen hat, Deutsche Wohnen als
Favorit für den Dax-Aufstieg zu überholen, zumal der Chemiekonzern
beim Handelsumsatz, dem eigentlich schwierigeren Kriterium, schon
heute auf Platz 30 rangiert. Inwieweit Bayer bereit ist, bei Covestro
unter die Sperrminorität zu gehen, steht allerdings auf einem ganz
anderen Blatt.

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