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18:47 | 14.01.2020
OTS: Börsen-Zeitung / US-Banken in der besten aller Welten / Kommentar zu den …

US-Banken in der besten aller Welten / Kommentar zu den Quartalszahlen
der US-Banken von Anne Sleegers
Frankfurt (ots) – Ups, sie haben es wieder getan. Wie bereits im dritten Quartal
haben die US-Finanzkonzerne J.P. Morgan und Citi auch im vierten Quartal die
Prognosen der Marktbeobachter übertroffen. Dabei waren die Erwartungen der
Analysten durchaus hoch gesteckt, nachdem sich im Jahresverlauf zunehmend
abgezeichnet hatte, dass die Geschäftsmodelle bestens geeignet sind, um
Handelskonflikt und Zinssenkung wegzustecken.

Als Universalbanken sind sowohl J.P. Morgan als auch Citi gleich in mehrfacher
Hinsicht Profiteure von “America First”, dem Credo von US-Präsident Donald
Trump, das je nach Herkunft und Weltanschauung des Betrachters als Versprechen
oder Schlachtruf verstanden werden kann.

Eine historisch niedrige Erwerbslosenquote von 3,5% ist nicht nur geeignet, die
Wahlversprechen des Präsidenten als erfüllt anzusehen, sondern beflügelt auch
die Konsumlaune und die Neigung, sich den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu
erfüllen. Das spiegelt sich in allen Bereichen des Privatkundengeschäfts wider,
das sowohl bei J.P. Morgan als auch bei Citi herausragend läuft. Die
US-Zinssenkung hat das Ihrige dazu getan, dass insbesondere das Geschäft mit
Konsumentenkrediten boomt. Laut einer Studie der Notenbank summieren sich die
2019 ausgereichten Kredite der 25 größten US-Kreditinstitute per Ende Dezember
auf 1,2 Bill. Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs um 13%
entspricht. Auch das Kreditkartengeschäft blüht.

Nicht weniger rund läuft es im Investment Banking. Die robuste Konjunktur und
anhaltende Spannungen mit China machen die USA für Investoren aus aller Welt zum
derzeit attraktivsten Zielland für Firmenübernahmen – da liegt es nahe,
US-Banken zu mandatieren, die nicht nur global die Top-Adressen sind, sondern
auch über die besten lokalen Marktkenntnisse verfügen. Im Wertpapierhandel
werden die starken Ergebnisse im Schlussquartal zusätzlich aufgehübscht vom
Basiseffekt, der aus dem Ausverkauf an den Weltbörsen im Vorjahresquartal
resultiert.

Von allzu langer Dauer wird die beste aller Welten für die US-Banken nicht sein.
Stottert der Konjunkturmotor und zeigt die Kreditkarte ihr wahres Gesicht als
Überschuldungsfalle für Privathaushalte, wird Risikovorsorge die Gewinne
unweigerlich schmälern oder aufzehren. Der unter Trump eingeleitete Trend zur
Deregulierung mag den Banken vorübergehend dabei helfen, die Folgen eines
Abschwungs abzufedern – auf lange Sicht kann er sie in die nächste Krise führen.

(Börsen-Zeitung, 15.01.2020)

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Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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