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11:44 | 09.10.2018
Aktie im freien Fall: Ceconomy schockt mit erneuter Gewinnwarnung

Der Elektronikhändler Ceconomy muss bei seiner Prognose erneut zurückrudern. Nach ersten Berechnungen ging der Gewinn in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr noch stärker zurück als gedacht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank danach um 13 Prozent auf 630 Millionen Euro, wie das aus der Aufspaltung der früheren Metro Group hervor gegangene Unternehmen mitteilte. Vor Zinsen und Steuern fiel das Ergebnis (Ebit) um 19 Prozent auf 400 Millionen Euro.

An der Börse sprach man von einem “Desaster”. Die Aktie brach in der Spitze um mehr als ein Fünftel ein. Inzwischen kostet sie weniger als 5 Euro. Auch die Papiere von Freenet gerieten unter Druck und verloren mehr als 3 Prozent. Der Mobilfunkanbieter war im Juli bei Ceconomy eingestiegen und hält rund 9 Prozent der Anteile. Seit Monaten eilt der Kurs des inzwischen SDAX abgestiegenen Ceconomy-Papiers von einem Tief zum nächsten. Im bisherigen Jahresverlauf summiert sich der Wertverlust inzwischen auf über 60 Prozent.

Die erneute Gewinnwarnung werfe nun Fragen auf in Bezug auf das Management und die Informationsflüsse im Unternehmen, erklärt Analystin Georgina Johanan von JPMorgan in ihrer Studie. Ihrer Einschätzung nach ist der Gewinneinbruch vor allem margengetrieben. Auch Christian Bruns von Equinet vermutet, dass der Konzern weniger Rückervergütungen von Lieferanten bekommen hat. Seiner Meinung nach dürften nun etliche Analysehäuser ihre Gewinn- und Kursziele senken.

Clement Genelot von Bryan Garnier sieht unter anderem das schwierige Marktumfeld in Deutschland als Problem für Ceconomy an. Eventuell habe der Konzern weitere Rabatte geben müssen, um die Lager zu leeren, schrieb er. Angesichts des Kostendrucks schließt Genelot nicht aus, dass der Konzern zu radikaleren Methoden greifen könnte, wie etwa Ladenschließungen. Dem Experten zufolge könnte die zweite Gewinnwarnung binnen weniger Wochen und die nun insgesamt dritte in diesem Jahr eine Vertrauenskrise bei den Anlegern auslösen. Diese zu beheben werde Zeit brauchen.

Bereits gesenkte Prognose deutlich verpasst

Ceconomy hatte erst Mitte September die Jahresprognosen gesenkt. Damals war der Konzern noch davon ausgegangen, ein Ebitda zwischen 680 und 710 Millionen Euro sowie ein Ebit zwischen 460 und 490 Millionen Euro erreichen zu können. Allerdings seien nun die operativen Ergebnisbeiträge der Elektronikketten Media Markt und Saturn deutlich unter den Erwartungen geblieben, teilte Ceconomy mit.

Das abgelaufene Geschäftsjahr stand für Ceconomy unter keinem guten Stern. Bereits zum Auftakt hakte es, als heftige Rabatte im wichtigen Weihnachtsgeschäft am Gewinn zehrten. Zu einem Mühlstein entwickelte sich später die Beteiligung am Handelskonzern Metro. Durch die schwache Kursentwicklung der Metro-Aktie musste Ceconomy viele Millionen Euro abschreiben. Inzwischen hat der Konzern mit dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky einen Abnehmer für zumindest 9 Prozent seines Metro-Pakets gefunden und würde dann nur noch ein Prozent der Anteile halten.

Probleme bereiteten auch die defizitären Märkte in Russland und Schweden. Die russischen Märkte wurden inzwischen an die Safmar-Gruppe und deren Ableger M.video abgeben. Eine Lösung für Schweden steht noch aus.

Zuletzt wurde der ungewöhnlich lange und heiße Sommer zum Problem. Statt bei Media Markt oder Saturn zu shoppen, tummelten sich die Verbraucher lieber im Freibad. Vor allem in Deutschland, dem wichtigsten Markt für Ceconomy, lief es schleppend. Hier kamen auch die vom Unternehmen eingeleiteten strategischen Initiativen langsamer voran als geplant. Ceconomy steckt im Wandel zum Multichannel-Anbieter und verknüpft so das stationäre Geschäft mit dem Online-Handel. Auch mit Dienstleistungen wie Technikberatung und Reparaturen will der Konzern punkten. (dpa-AFX / Eig. Ber.)

Foto © Ceconomy


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