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15:56 | 16.03.2017
Gewinneinbruch: K+S kämpft mit vielen Widrigkeiten

Produktionsprobleme, Kali-Preisdruck und ein milder Winter – es gab viele Belastungsfaktoren für K+S im vergangenen Jahr. Folge: Umsatz und Gewinn des Düngemittel- und Salzproduzenten brachen ein. Die Aktionäre müssen mit einer von 1,15 auf 0,30 Euro drastisch gekappten Dividende leben. Der scheidende Konzernchef Norbert Steiner macht zwar Mut für 2017, aber die im MDAX notierte Aktie steht unter Druck.

Steiner bestätigte dennoch die Mittelfristziele und betonte, dass Umsatz und operatives Ergebnis (Ebit I) im laufenden Jahr “spürbar” über den Vorjahreswerten liegen dürften. Im abgelaufenen Jahr sackte der Umsatz um 17 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro ab. Sowohl das Salz- als auch das Kaligeschäft schwächelten. Auch auf den Gewinn schlug dies durch. Vor Zinsen, Steuern und vor Bewertungsveränderungen von Derivaten (Ebit I) blieben 229 Millionen Euro (Vorjahr 782 Mio.) hängen. Bei dieser Kennzahl werden etwa Kosten für die Wechselkursabsicherung herausgerechnet. Unter dem Strich brach der bereinigte Gewinn von 542 Millionen auf 131 Millionen Euro ein. Mit Sparmaßnahmen steuert der Konzern seit längerem gegen. Auch bis 2019 seien konkrete Maßnahmen geplant. Dabei gehe es um Einsparungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Entspannung durch neue Abwasseranlage

Im vergangenen Jahr musste K+S die Produktion in Deutschland drosseln und zeitweise Kurzarbeit anordnen, weil die Entsorgungskapazitäten nicht ausreichten. Das Abwasser aus der Kali-Produktion wird in die Werra oder den Boden geleitet. Erst kurz vor Weihnachten hatte das Regierungspräsidium Kassel dem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, befristet bis Ende 2021 weiter Abwasser im Boden zu entsorgen. Umweltschützer sehen die Versenkung kritisch und befürchten negative Folgen für das Trink- und Grundwasser.

“In diesem Jahr wird die Produktion an unserem wichtigen Werk Werra wegen der in der Versenkgenehmigung enthaltenen Beschränkungen noch nicht ganz ‘rund’ laufen”, sagte Steiner. Bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen dürfte das operative Ergebnis im Konzern im laufenden Jahr trotzdem spürbar ansteigen. Nicht auszuschließende Produktionseinschränkungen in längeren Perioden von Niedrigwasser in der Werra könnten aber zu “erheblichen” Abweichungen von dieser Einschätzung führen, warnte er. Mit einer neuen Abwasseranlage werde sich die Situation ab 2018 deutlich entspannen.

Dividende enttäuscht

Im laufenden Jahr soll der Konzern nach Einschätzung von Steiner nach den Schwierigkeiten im vergangenen Jahr wieder wachsen. „Wir erwarten marktseitig leichten Rückenwind“, sagte Finanzchef Burkhard Lohr. Für das laufende Jahr seien deutlich höhere Kali-Absatzmengen und leicht steigende Durchschnittspreise zu erwarten. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Konzern auch die Mittelfristziele. Trotz des Einbruchs 2016 zeigten sich die Manager optimistisch, dass der Konzern im Jahr 2020 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 1,6 Milliarden Euro erreicht. 2016 hatte sich die Kennzahl mit 519 Millionen Euro mehr als halbiert.

Händler und Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen insbesondere über die Dividende enttäuscht. Expertin Lisa De Neve vom britischen Investmenthaus Liberum rechnet 2017 zwar mit Besserung, eine echte Erholung werde es aber wohl erst 2018 geben. Commerzbank-Analyst Michael Schäfer spricht von einem erwartungsgemäß vorsichtigen Ausblick. Pessimisten dürften ihn als Bestätigung auffassen. Er selbst bleibe aber optimistisch und rechne mit einer stetigen Verbesserung im Jahresverlauf.

Salzgeschäft erstmals als Zugpferd

Keine neue Hiobsbotschaft gab es bei der neuen Kali-Mine in Kanada. Diese stehe kurz vor dem Produktionsstart, hieß es. Ein Zwischenfall hatte dort für leichte Verzögerungen gesorgt. Das 2013 geplante Euro-Budget von rund 3,1 Milliarden Euro sollte weiter Bestand haben, bekräftigte der Konzern. Die erste Tonne Kali in dem Werk soll weiter im zweiten Quartal 2017 produziert werden. Ende 2017 dürfte die angestrebte Produktionskapazität von zwei Millionen Tonnen erreicht werden. Mitte Juli war während eines Tests ein Prozessbehälter in einer Produktionsstätte der Mine beschädigt worden. Die Mine ist die größte Investition des Konzerns.

K+S ist der größte Salzhersteller der Welt. Den Großteil des Gewinns machen die Nordhessen mit mehr als 14 000 Mitarbeitern traditionell aber mit der Produktion von Kali-Dünger für die Landwirtschaft. Erstmals in der Geschichte war das Salzgeschäft im vergangenen Jahr das Zugpferd.

Der Düngemittelsektor steht angesichts des gedrückten Preisniveaus seit längerem unter Handlungsdruck. Einen Ausweg aus der Misere sehen die Konzerne in Übernahmen. Der kanadische Düngemittelkonzern Potash ist schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Partner. 2015 war der Konzern bei K+S abgeblitzt. Nun zeichnet sich eine neue Fusion ab. Potash und Agrium wollen sich zusammenschließen. Der neu geschmiedete Konzern käme als neue Nummer eins der Branche auf Umsätze von mehr als 20 Milliarden Dollar. Mitte des Jahres soll der Deal nach früheren Angaben abgeschlossen sein. (dpa-AFX / Eig. Ber.)

Foto © K+S


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