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15:38 | 26.10.2020
Milliardenübernahme: Bayer stärkt Geschäft mit Zelltherapien

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer baut sein Geschäft mit Zell- und Gentherapien mit der Milliardenübernahme des US-Unternehmens Asklepios BioPharmaceutical aus. Für den Kauf von AskBio flössen zunächst zwei Milliarden US-Dollar, wie der Dax-Konzern am Montag in Berlin mitteilte. Erfolgsabhängig kämen nochmals bis zu zwei Milliarden Dollar hinzu, drei Viertel davon voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren. Die Transaktion soll noch 2020 abgeschlossen werden und AskBio weiter als unabhängiges Unternehmen agieren.

Die seit Wochen unter Druck stehende Bayer-Aktie konnte sich am Montag in einem schwachen Marktumfeld gut halten. Das Papier lag zu Handelsbeginn leicht im Minus, drehte dann jedoch mit 0,9 Prozent ins Plus. Der Leitindex Dax hingegen rutschte im Zuge der sich weiter verschärfenden Corona-Krise um 2 Prozent ab. Die Bayer-Aktie ist in diesem Jahr bislang der größte Verlierer im Dax – so haben die laufenden Klagen gegen den Unkrautvernichter Glyphosat sowie die zuletzt trüben Geschäftsaussichten die Anleger verschreckt. Das Papier hat in diesem Jahr bislang gut 40 Prozent verloren. Der Dax kommt hingegen nur auf ein Minus von knapp 7 Prozent.

“Durch den Kauf macht unser noch junges Zell- und Gentherapiegeschäft einen großen Sprung”, sagte Bayer-Pharmachef Stefan Oelrich der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Manager sieht AskBio als Ergänzung zum 2019 übernommenen Stammzellspezialisten BlueRock Therapeutics, der sich unter anderem auf neurologische und kardiologische Krankheiten fokussiert. Ein wesentliches Programm zielt dabei auf die Parkinson-Erkrankung, bei der Nervenzellen langsam absterben.

Auch AskBio forscht unter anderem in diesen Bereichen, setzt aber nicht auf Stammzellen, sondern auf die Gentherapie. Bei der werden mit Hilfe harmloser Viren Gene in Zellen eingeschleust, die die Funktion beschädigter Gene ersetzen.

Gen- und Zelltherapien werden von vielen Pharmaunternehmen aktuell stark erforscht. Sie sollen gerade bei seltenen Erkrankungen Heilung bringen und bei weit verbreiteten Krankheiten wie etwa Herzinsuffizienz neue Therapieansätze ermöglichen. So bietet etwa der schweizerische Pharmakonzern Novartis seit Kurzem mit Zolgensma eine Gentherapie gegen die Spinale Muskelathrophie (SMA) an, eine Erbkrankheit, die Muskelschwund auslösen kann. Das Mittel gilt mit einem Listenpreis von 2,1 Millionen Dollar in den USA als teuerstes Medikament der Welt.

Einnahmen durch Auslizenzierung von Wirkstoffen

Mit AskBio kauft Bayer nun ein Unternehmen, das Therapien für die Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe, für Parkinson und Herzinsuffizienz in der frühen klinischen Entwicklung hat. Mit Blick auf eine mögliche Zulassung solcher Therapien im Erfolgsfall könne es gerade bei monogenetischen Erkrankungen, bei denen also ein Gendefekt die Ursache ist, wie Morbus Pompe, vergleichsweise schnell gehen, sagte AskBio-Chefin und -Mitgründerin Sheila Mikhail dpa-AFX.

Neben der Erforschung und Entwicklung von Gentherapien, die erst einmal viel kosten, verdient AskBio Geld etwa mit der Auslizenzierung von Wirkstoffen an andere Pharmaunternehmen sowie mit der Auftragsfertigung sogenannter Adeno-assoziierter Viren. Die werden dann von anderen Unternehmen für ihre Gentherapieforschung genutzt. Wie viel hier aktuell in etwa fließt, wollte Manager Oelrich zumindest vor dem Abschluss der Übernahme nicht sagen, nur, dass das Geschäft nach und nach einen hohen Beitrag leisten werde.

Mit Blick auf das Geschäftspotenzial der noch in der Entwicklung befindlichen Therapien ist der Manager optimistisch. Angesichts der üblichen Risiken bei der Entwicklung neuer Medikamente sei es noch zu früh, es in Zahlen zu fassen. Allerdings lasse der Bedarf für Behandlungen etwa für Herzinsuffizienz und Parkinson, aber auch Genkrankheiten wie Morbus Pompe das Potenzial erahnen.

Insgesamt sieht Oelrich Bayers Pharmasparte in puncto Medikamenten-Pipeline mittlerweile deutlich besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren. Aktuell durchläuft etwa Vericiguat – ein Mittel gegen Herzinsuffizienz – ein beschleunigtes Zulassungsverfahren in den USA. Zudem setzt der Konzern auf den Kandidaten Finerenon bei der Behandlung Nierenkranker.

Und auch in das Geschäft mit Krebsmedikamenten wie Nubeqa sowie rund um Frauengesundheit steckt Bayer Geld. Letzteres hatten die Leverkusener erst im Sommer mit dem Kauf des britischen Biotechunternehmens Kandy Therapeutics gestärkt. All das sind notwendige Bausteine, da in wenigen Jahren nach und nach der Patentschutz für den Gerinnungshemmer Xarelto wegfällt, einem milliardenschweren Kassenschlager. (dpa-AFX)

Foto © Bayer


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