MANAGEMENT INTERVIEW

11:06 | 20.10.2015
Behrens-Anleihe: „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt“

Lange Zeit war es bei den Neuemissionen von Unternehmensanleihen ruhig, doch das ändert sich gerade. 7,75 Prozent Zinsen bietet die Behrens-Gruppe den Anlegern im Rahmen der aktuellen Emission einer Fünfjahresanleihe. Die Gesellschaft will bis zu 25 Millionen Euro einsammeln, zudem gibt es ein Umtauschangebot für Inhaber einer älteren Anleihe des Konzerns. Das Wertpapier, das noch bis zum 9. November gezeichnet werden kann, soll anschließend im Entry Standard der Frankfurter Börse gehandelt werden.

Im financial.de Interview spricht Behrens-Chef Tobias Fischer-Zernin (Foto) über die aktuelle Anleihe-Emission sowie das nationale und internationale Geschäft der Gesellschaft.

financial.de: Das Unternehmen Joh. F. Behrens wird nicht jedem Investor sofort etwas sagen. Was machen sie?

Fischer-Zernin: Die Joh. F. Behrens AG ist einer der europaweit marktführenden Hersteller von Werkzeugmaschinen für Befestigungsmittel (druckluft- und gasbetriebene Nagel- und Klammergeräte) für Holz und holzähnliche Werkstoffe. Wir positionieren uns dabei als Systemanbieter für Befestigungsgeräte und -material für die holzverarbeitende Industrie, Bauindustrie und Logistik. Unsere Marken “BeA” und “Reich” sind branchenweit bekannt und stehen für Spitzenprodukte der Befestigungstechnik, die sich durch innovative Technologien, höchste Qualitätsstandards und moderne Fertigungsmethoden auszeichnen. Die Behrens-Gruppe besteht seit über 100 Jahren und hat ihren Hauptsitz in Ahrensburg, der Vertrieb erfolgt über Tochter- und Beteiligungsunternehmen in Europa und Übersee in mehr als 40 Ländern. Weltweit beschäftigt die Behrens-Gruppe über 400 Mitarbeiter. Eine wesentliche Stärke der Behrens-Gruppe ist neben dem innovativen Produktangebot, das kontinuierlich optimiert und erweitert wird, die ausgeprägte Servicephilosophie.

Fischer-Zerninfinancial.de: 2011 haben sie eine Anleihe aufgelegt, jetzt steht eine neue Anleihe an. Dient das frische Geld einzig dem Ablösen der alten Anleihe aus 2011?

Fischer-Zernin: Wir möchten in der Tat mit der neuen Unternehmensanleihe eine vorzeitige Refinanzierung der Anleihe 2011/2016 durchführen. Wir haben auf Basis unserer guten Geschäftsentwicklung in 2014 und 2015 einen Finanzierungsmix für das Unternehmen entwickelt, der eine Reduzierung des Anleihevolumens um 5 Millionen Euro im Vergleich zur ersten Anleihe ermöglicht. Damit tragen wir dem Plan der langfristigen Entschuldung und des Eigenkapitalaufbaus sukzessive Rechnung und stellen unsere Finanzierung auf eine breitere und ausgewogenere Basis.

financial.de: Welche Sicherheiten bietet die neue Anleihe?

Fischer-Zernin: Die Anleihe ist mit Blick auf die deutlich bessere wirtschaftliche Situation unserer Gesellschaft unbesichert. Wir sind der Empfehlung aus dem Pre-Sounding gefolgt, entsprechend marktgerechte Covenants in Anleihebedingungen aufzunehmen, denen wir uns gerne stellen. Insbesondere sind wir dem Wunsch von Investoren nachgekommen die Verschuldung der Gesellschaft zu begrenzen.

financial.de: Gibt es einen Plan B, falls die neue Anleihe nicht das erforderliche frische Kapital einbringt?

Fischer-Zernin: Wir haben natürlich unsere Hausaufgaben gemacht und uns frühzeitig um die anstehende Refinanzierung der Anleihe 2011/2016 gekümmert. Im Sinne einer nachhaltigen Finanzierung, der Entlastung von Fälligkeiten und der Laufzeitdifferenzierung haben wir uns insgesamt deutlich breiter aufgestellt. Sollte die neue Anleihe nicht in vollem Umfang von 25 Mio. Euro platziert werden, wovon wir nicht ausgehen, haben wir adäquate alternative Finanzierungsangebote vorliegen.

financial.de: Laut Geschäftsbericht 2014 haben sie mit fünf Banken einen Konsortialkredit abgeschlossen, der bis Ende 2015 läuft. Wurde dieser bereits verlängert?

Fischer-Zernin: Ja, wir haben bereits die Neuvereinbarung der Bank-Kreditlinien über den 31.12.2015 hinaus erreicht. Das bisherige Bankenkonsortium wird aufgelöst und mit unserer Hausbank aus dem Kreis der bisherigen Konsortialbanken ist eine neue Kreditlinie ab dem 01.01.2016 vereinbart worden, die unter der Bedingung steht, dass unsere Finanzierung mindestens bis Ende 2016 gesichert ist, und damit unter anderem von der erfolgreichen Begebung der Schuldverschreibungen abhängig ist. Im Rahmen der neuen Bankenfinanzierung wurden marktübliche Covenants vereinbart und bisher noch gebundene Sicherheiten aus dem Sachanlagevermögen werden freigegeben.

financial.de: Sind 2016 weitere Kapitalmaßnahmen in Form einer Kapitalerhöhung oder einer weiteren Anleihe möglich?

Fischer-Zernin: Vordringliches Ziel ist erst einmal, die anstehende Anleihe erfolgreich zu platzieren. Wir sind in weiteren Gesprächen mit anderen Finanzierern, weitere Linien, unter anderem auf unsere Liegenschaft in Ahrensburg, zu erhalten. Wir sind dann erst einmal durchfinanziert und müssen den weiteren Geschäftsverlauf abwarten. Wenn sich weiterer Kapitalbedarf ergibt, sind diese beiden Möglichkeiten sicherlich gute Alternativen.

financial.de: 0,5 bis 0,6 Prozent des Umsatzes haben sie zuletzt für die Forschung und Investitionen ausgegeben. Bleibt es bei diesem Anteil?

Fischer-Zernin: Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten wir intensiv an der Verbesserung der Geräte und deren Anwendungsabläufe. Nur durch komplette und qualitativ hochwertige Geräteprogramme lassen sich neue Industriekunden gewinnen. Außerdem sind wir mit unserer Reihe an Autotec-Geräten sehr erfolgreich. Autotec sind pneumatische Geräte, die in Transferstraßen eingebaut sind oder von Robotern geführt werden. Es handelt sich um Einzelanfertigungen, speziell für jeden Anwendungsfall.

financial.de: Sie wollen den Umsatz im laufenden Jahr um 1,5 Prozent bis 3 Prozent steigern. Die EBIT-Marge sehen sie bei 4,5 Prozent bis 6 Prozent. Können sie diese Prognose inzwischen weiter konkretisieren?

Fischer-Zernin: Vorhersagen sind in unserem Geschäft schwierig, dafür sind unsere Auftragsvorläufe zu kurz. Nach dem guten ersten Halbjahr und einem plangemäß verlaufenen dritten Quartal bin ich jedoch zuversichtlich, das Geschäftsjahr mindestens mit ähnlichen Ergebnissen wie in 2014 abschließen zu können.

financial.de: Wie bewerten sie derzeit ihre Auftragslage? Sind ihre Auftragsbücher gut gefüllt?

Fischer-Zernin: Unsere Auftragsbücher sind in der Tat gut gefüllt, besondere bei unseren Tackern und Naglern. In der Produktion haben wir unsere Kapazität ausweiten müssen, um der gestiegenen Nachfrage Herr zu werden. Bei den Befestigungselementen ist die Auftragslage auch gut, hier haben wir aber keinen Auftragsbestand. Auf jeden nicht umgehend ausgeführten Auftrag wartet ein Kunde, und das entspricht nicht unserem Anspruch nach exzellentem Kundenservice. Unser Umsatz ist in den ersten neun Monaten 2015 wieder gewachsen, das spricht für gute Lieferfähigkeit und guten Service.

Den vollständigen Text können Sie hier herunterladen: INTERVIEW

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.

Foto © Joh. Friedrich Behrens AG


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