MANAGEMENT INTERVIEW

11:11 | 29.05.2020
Mountain Alliance AG: „Wir werden einen großen Digitalisierungsschub erfahren“

Der Datenbankspezialist Exasol feierte am Montag ein furioses Börsendebüt. Einer der Profiteure: Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mountain Alliance AG (MA, ISIN DE000A12UK08), die im Zuge des IPOs einen erfolgreichen Teilexit realisieren konnte. Mountain-Alliance-CEO Daniel Wild sieht darin „einen eindrucksvollen Beweis für den Erfolg unseres Geschäftsmodells, uns frühzeitig an aussichtsreichen Wachstumsunternehmen im Digitalgeschäft zu beteiligen“. Aktuell notiert die MA-Aktie rund 30 % unter dem ausgewiesenen NAV. Unternehmenslenker Wild will das aktuelle Kursniveau für weitere Aktienkäufe nutzen, verrät er im Interview mit Financial.de: „Ich habe über die Jahre stets zugekauft, da ich vom Wert unseres Portfolios mehr als überzeugt bin.“

Financial.de sprach mit CEO Daniel Wild (Foto) u. a. über die stärksten Digitalisierungstrends, günstige Kaufchancen, den neuen Investor und die kritische Größe von 100 Mio. Euro Börsenwert.

Herr Wild, im Rahmen des erfolgreichen Börsengangs der Exasol AG hat die Mountain Alliance AG einen Teilexit realisiert. Welche Bedeutung hat dieses IPO für Sie?

Daniel Wild: Wir freuen uns sehr, dass unser Portfoliounternehmen trotz des aktuell sehr herausfordernden Marktumfelds den Börsengang derart erfolgreich über die Bühne bringen konnte und am ersten Handelstag mit einer Erstnotiz von 14 Euro überaus positiv in den Handel gestartet ist. Der Börsengang war der logische nächste Schritt für Exasol, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und das weitere Wachstum zu finanzieren. Die hohe Nachfrage auf Investorenseite belegt zudem die hohe Qualität der Exasol AG. Den für uns damit verbundenen Teilexit sehen wir als eindrucksvollen Beweis für den Erfolg unseres Geschäftsmodells, uns frühzeitig an aussichtsreichen Wachstumsunternehmen im Digitalgeschäft zu beteiligen. Zudem verschafft uns der damit verbundene Mittelzufluss im einstelligen Millionenbereich zusätzlichen Spielraum für die weitere Expansion.

Inwiefern ist Exasol exemplarisch für das Geschäftsmodell der Mountain Alliance AG?

Daniel Wild: Es klingt womöglich banal, wenn ich sage, dass wir zu einem günstigen Zeitpunkt investieren und einen werthaltigen Exit erzielen wollen. Aber so einfach ist es. Und deswegen steht Exasol auch exemplarisch für unser Geschäftsmodell. Von der Übernahme der Beteiligung Ende 2018 durch den Erwerb der Mountain Technology AG über die Entwicklung des Unternehmens bis hin zum IPO steht ein deutlicher Wertzuwachs: Das ist unsere Philosophie. Als Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf digitale Geschäftsmodelle sind wir in einem Markt unterwegs, der stark wächst. Daher entwickelt sich die große Mehrheit unserer Portfoliounternehmen auch positiv.

WildWird es dank des Exasol-IPOs auch eine größere Dividendenausschüttung geben?

Daniel Wild: Wir haben kommuniziert, dass wir mittelfristig bei werthaltigen Exits durchaus einen Teil als Sonderdividende ausschütten wollen. Das ist richtig. Allerdings müssen dafür die notwendigen Rahmenbedingungen passen. Das heißt, dass wir im ersten Schritt eine kritische Größe erreichen müssen, um die Wahrnehmung für die Mountain Alliance an der Börse und für weitere Investoren zu erhöhen. Diese kritische Größe sehe ich bei einer Marktkapitalisierung von 100 Millionen Euro. Bis dahin ist noch ein guter Teil des Weges zurückzulegen. Schaffen können wir das, indem wir beispielsweise zugeflossene Mittel aus Exits, wie jetzt bei Exasol geschehen, in weitere Zukäufe und in das Wachstum unserer Beteiligungen – und damit in das Wachstum der Mountain Alliance AG – investieren. Das Geld schlicht auszuschütten, halte ich aktuell für den falschen Weg. Zudem haben wir noch zahlreiche Ideen, wie wir Werte und Potenziale heben können.

Exasol ist ein guter Anfang, wie sieht es mit der weiteren Exit-Pipeline aus?

Daniel Wild: Wir haben das Ziel formuliert, jedes Jahr mindestens einen bis zwei Exits zu realisieren. Im laufenden Jahr haben wir mit dem Teilexit bei AlphaPet und dem stufenweisen Teilexit bei Exasol bereits zwei Transaktionen auf der Verkaufsseite realisiert. Für 2020 wird es sehr wahrscheinlich noch einen dritten geben. Aber wir sehen nicht die Notwendigkeit, unbedingt einen weiteren realisieren zu müssen. Dasselbe gilt für das kommende Jahr. Begünstigt durch die Corona-Pandemie erfährt die Gesellschaft einen großen Digitalisierungsschub, der speziell unseren Unternehmen zugute kommen wird. Daher sind wir in der komfortablen Lage, noch abwarten zu können. Unser Portfolio ist mit 33 Beteiligungen bei einer durchschnittlichen Haltedauer von etwa fünf bis sechs Jahren sehr gut aufgestellt.

Wie gestaltet sich aktuell das Umfeld auf der Kaufseite, gibt es preislich attraktive Targets für Mountain Alliance?

Daniel Wild: Wir sondieren natürlich kontinuierlich den Markt und sind in tieferen Gesprächen bei zwei, drei potenziellen Targets. Noch im laufenden Jahr wollen wir auch auf der Kaufseite Vollzug melden. Bei den interessanten Kandidaten handelt es sich sowohl um Einzelunternehmen als auch um komplette Portfolios. Speziell bei der Übernahme ganzer Portfolios können wir unsere Aktie als attraktive Akquisitionswährung im Zuge einer Sachkapitalerhöhung einbringen. So können wir auch schneller unser angestrebtes Ziel einer Börsenbewertung von 100 Millionen Euro erreichen.

Exasol

Gibt es derartige Firmen, wie Sie sie suchen, angesichts der aktuellen Virusbelastung günstiger oder heißt digital automatisch teuer?

Daniel Wild: Die Corona-Pandemie hat die Bewertungen und Ausgangslage von und für Unternehmen zum Teil grundlegend verändert. Für uns kommt der Mittelzufluss aus dem Exasol-IPO auch deshalb zu einem sehr günstigen Zeitpunkt, da die Krise beim ein oder anderen potenziellen Kaufkandidaten auch einen höheren Liquiditätsbedarf zur Folge hat, was einen niedrigeren Kaufpreis begünstigt. Mit einer guten Kapitalausstattung sind wir somit in einer komfortablen Verhandlungsposition.

Deutschland gilt in Sachen Digitalisierung als Wüste Gobi – die Musik spielt in den USA oder China. Gibt es im Portfolio von Mountain Alliance so etwas wie einen (oder auch mehrere) Hidden Champions oder zumindest solche, die es werden können?

Daniel Wild: Die haben wir. Wir haben schon in der Vergangenheit verstärkt in Themen wie Online-Education, E-Health und videobasiertes Arbeiten – unter anderem für Homeoffice-Anwendungen – investiert, die gerade jetzt im Zuge der COVID-19-Pandemie an Bedeutung gewinnen. Diese Beteiligungen wollten wir durch weitere Investitionen auch stärken. Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle Lingoda als Online-Sprachschule mit virtuellen Klassenräumen nennen, die im April einen neuen Rekordmonat verzeichnete. Im Bereich E-Health sind wir mit mentavio, einer Plattform für webbasierte psychologische Beratung und Coaching, gut positioniert. Und mit movingimage haben wir die laut Gartner Research führende und einzige DSGVO-konforme Firma im Bereich Enterprise Video Plattform in Europa im Portfolio. Die Sichtweise, dass Deutschland keine nennenswerten Digitalunternehmen hervorbringt, kann ich nicht teilen. In meinen Augen sind das echte Hidden Champions, die erhebliche Potenziale für die Mountain Alliance bieten und gerade jetzt in der Corona-Zeit eine erhöhte Aufmerksamkeit erfahren, welche aus unserer Sicht auch nach Corona zu einem nachhaltigen Digitalisierungsschub führen wird. Wir alle erleben, was es bedeutet, wenn bestimmte, wichtige Teile der Gesellschaft den Anforderungen, welche die Digitalisierung an sie stellt, nicht gerecht werden. Gerade im Bereich Online-Bildung gibt es hier großen Nachholbedarf und damit große Chancen für die richtigen Anbieter.

Bei AlphaPet gab es seitens Mountain Alliance bereits einen Teilexit. Wie sehen Ihre weiteren Pläne mit der verbliebenen Beteiligung in Höhe von zwei Prozent aus?

Daniel Wild: Hier zeigen sich Parallelen zu Exasol: Wir haben den Online-Händler von Premium-Heimtierbedarf von Mountain Partners gekauft. Der Einstieg eines Private-Equity-Investors bei AlphaPet bedingte den Verkauf von Anteilen der Altgesellschafter, damit konnten wir einen Teil unseres Investments realisieren und sind mit zwei Prozent auch weiterhin beteiligt. Was aber viel wichtiger ist: Im Rahmen der Neubeteiligung konnte AlphaPet die bekannte Marke Wolfsblut akquirieren und somit in eine profitable Umsatzgröße von 100 Mio. Euro pro Jahr und damit in eine neue Dimension und Marktposition wachsen. Damit sind die Wachstumsperspektiven weiter hervorragend, sodass wir in den kommenden Jahren eine deutliche Wertsteigerung unseres Anteils erwarten. Auch hier verspürt das Unternehmen durch die Corona-Krise eine deutlich positive Auswirkung auf das Kaufverhalten von Kunden. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Effekt auch nachhaltig positiv für AlphaPet auswirken wird.

Hier lesen Sie das vollständige INTERVIEW

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von Financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.

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