MANAGEMENT INTERVIEW

12:44 | 17.10.2018
Northern Bitcoin AG: „Der Bitcoin steht kurz vor seinem Durchbruch“

Die Northern Bitcoin AG (ISIN DE000A0SMU87) verzeichnet nicht nur ein rasantes Wachstum als führender Bitcoin-Miner, die Frankfurter Gesellschaft betreibt auch einen eigenen klimaneutralen Bitcoin-Mining-Pool. Die strategische Zusammenarbeit mit der Rawpool-Gruppe katapultiert Northern Bitcoin „in eine völlig neue Dimension“, ist CEO Mathis Schultz überzeugt: „Der Bitcoin wird die Welt dramatisch verändern. Wir sehen uns exzellent aufgestellt, um in den kommenden Jahren als Pionier und First Mover das führende europäische Unternehmen im Bereich Bitcoin-Blockchain aufzubauen.“

Financial.de traf CEO Mathis Schultz (Foto unten, links) und CTO Moritz F. Jäger (rechts) zum Exklusivinterview und sprach mit ihnen u. a. über die Kostenvorteile der Gesellschaft, die Zukunft des Bitcoin, das Xetra-Listing der Northern-Bitcoin-Aktie sowie die nächsten operativen Ziele.

Financial.de: Herr Schultz, seit wenigen Tagen werden die Aktien der Northern Bitcoin AG auf Xetra gehandelt. Noch kennt kaum jemand Ihr Unternehmen – was genau macht die Gesellschaft?

Mathis Schultz: Northern Bitcoin hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, die weltweit führende nachhaltige Infrastruktur für den Bitcoin aufzubauen. Wir haben als Miner begonnen, der den Bitcoin emissionsfrei mit Strom aus sauberen Energiequellen schürft. Sehr vereinfacht gesagt, heißt das, dass wir jeden Tag Bitcoins kostengünstig herstellen, um diese an den globalen Marktplätzen zu verkaufen.

Financial.de: Sie sprachen von sauberen Energiequellen, können Sie das erläutern?

Schultz: Wir sind fest davon überzeugt, dass die Zukunft des Bitcoins nur nachhaltig ist, wenn er auf Basis regenerativer Energieträger gewonnen wird. Als unseren ersten Standort haben wir deshalb eine zum Rechenzentrum umgewidmete Mineralmine am Rande des 565 Meter tiefen Nordfjords an der Küste Norwegens ausgewählt. Hier finden wir die optimalen Bedingungen: Ganzjährig kühles Klima und kostengünstiger Strom zu 100 Prozent aus Wasserkraft, die dort im Überschuss verfügbar ist. Die Hardware, die die Bitcoin-Transaktionen validiert, wird mit dem eiskalten Wasser des Fjords gekühlt, wodurch wir unseren Energiebedarf und damit die Kosten im Gegensatz zum Wettbewerb weiter reduzieren können.

Financial.de: Herr Schultz, warum ist der Bitcoin überhaupt eine bahnbrechende Entwicklung?

Schultz: Der Bitcoin ist die konsequente, digitale Weiterentwicklung, was Geld, Währung, Bezahlung oder Wertespeicher betrifft. Er ist fälschungssicher und nicht manipulierbar. Transaktionen werden online von jedem Punkt der Erde unmittelbar zwischen Sender und Empfänger durchgeführt, ohne dass ein Dritter darauf Einfluss nehmen kann oder eine Erlaubnis notwendig wäre. Das gewinnt zum Beispiel in Ländern mit schwankenden Währungen zunehmend an Bedeutung. Oder nehmen Sie folgendes Beispiel: Haben Sie schon einmal eine größere Summe Geldes ins Ausland überwiesen? Dann können Sie sich vielleicht vorstellen, dass der Bitcoin den internationalen Zahlungsverkehr enorm beschleunigen und erleichtern kann. Der Bitcoin ist die Revolution großer Teile unseres Finanzsystems. Er hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch enorme gesellschaftliche Auswirkungen.

Management

Financial.de: Viele Experten trauen der dem Bitcoin zugrundeliegenden Blockchain-Technologie einiges zu und vergleichen den technologischen Umbruch mit den Umwälzungen, die uns das Internet brachte. Gilt dies auch für den Bitcoin?

Schultz: Der Bitcoin ist nicht nur die älteste, sondern auch die etablierteste und die mit großem Abstand am weitesten verbreitete Blockchain-Anwendung überhaupt. Die Innovationskraft der Bitcoin-Blockchain und ihre Bedeutung für weite Teile der Wirtschaftswelt ist radikaler, als es heutige Technologiegiganten wie Google oder Facebook jemals waren. Doch der Bitcoin steht erst am Anfang seiner spannenden Reise. Der Bitcoin, beziehungsweise die Bitcoin-Blockchain, werden die Welt genauso dramatisch verändern wie seinerzeit das Internet selbst.

Financial.de: Der Bitcoin hat im Dezember des vergangenen Jahres bei rund 20.000 US-Dollar seinen Höchstkurs erreicht. Seitdem ist der Kurs deutlich zurückgekommen. Hat der Bitcoin seine beste Zeit nicht vielleicht schon hinter sich?

Schultz: Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt zwei Faktoren, an denen man den Erfolg des Bitcoins messen kann: Seinen Kurs und sein Transaktionsvolumen. Am Kurs des Bitcoins können Sie ablesen, wie sehr Marktteilnehmer daran glauben, ob sich der Bitcoin durchsetzt. Das Transaktionsvolumen, also die tatsächlich umgesetzten Bitcoins, ist hingegen ein Indikator, der uns zeigt, wie erfolgreich die Adaption und Marktdurchdringung des Bitcoins absolut ist. Das Transaktionsvolumen wächst weiter und wird dieses Jahr nach Analystenschätzungen mit voraussichtlich 1,3 Billionen US-Dollar mehrere hundert Milliarden Dollar über dem Transaktionsvolumen von Paypal liegen.

Financial.de: Wagen Sie eine Prognose, wie es mit dem Bitcoin-Kurs weitergeht?

Schultz: Der Bitcoin-Kurs dürfte bereits in nächster Zeit wieder deutlich zulegen, da in Kürze ein Ereignis ansteht, das den Marktteilnehmern wieder mehr Vertrauen in das Potenzial des Bitcoins geben dürfte: Die Muttergesellschaft der größten Börse der Welt, der New York Stock Exchange, ermöglicht über eine neue Plattform ab Anfang November den Handel mit Bitcoin. Damit haben Vermögensverwalter, Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, ETF-Anbieter und andere institutionelle Investoren erstmals die Möglichkeit, in Bitcoin zu investieren. Dies war ihnen bislang nicht möglich, da sowohl Handel als auch Aufbewahrung von Bitcoins nicht den vorgegebenen Standards entsprachen. Als erste Partner der neuen Plattform wurden darüber hinaus Microsoft, The Boston Consulting Group und Starbucks gewonnen, die Unternehmen und Verbrauchern dabei helfen sollen, mit Bitcoins zu zahlen. Aus unserer Sicht ist diese Allianz ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass der Bitcoin kurz vor seinem Durchbruch steht.

Financial.de: Herr Jäger, als CTO sind Sie bei Northern Bitcoin für das Design und die Implementierung der globalen Bitcoin-Mining-Operations verantwortlich. Wie würden Sie einem Laien Bitcoin-Mining erklären?

Moritz F. Jäger: Stellen Sie sich eine Transaktion mit dem Bitcoin vor, als ob Sie einen Geldschein per E-Mail versenden. Miner wie Northern Bitcoin sind diejenigen, die dafür garantieren, dass ein echter Geldschein verschickt und gespeichert wird. Wir arbeiten in einem großen Rechennetzwerk zusammen, in dem jede Transaktion registriert, geprüft und bestätigt wird. Der Algorithmus, der die Fälschungssicherheit garantiert und alle Transaktionen dokumentiert, ist die Grundlage der Bitcoin-Blockchain. Viele solcher Transaktionen werden in einen Block geschrieben. An die Blockchain werden ständig neue Blöcke angehängt. Die Transaktionen darin sind dann wie in Stein gemeißelt. Die Miner werden für ihre Arbeit mit neuen Bitcoins bezahlt. Für die Bereitstellung der Rechenleistung braucht man neben hochspezialisierter Hardware vor allem Strom für die Rechenleistung und Kühlung für die Computerchips.

Financial.de: Sie betreiben einen eigenen Mining-Pool, was kann man sich darunter vorstellen?

Jäger: Aufgrund der Größe unserer eigenen Mining-Aktivitäten machte es für uns Sinn, eine eigene Software zur Steuerung von Mining-Rechenleistung zu entwickeln, einen so genannten „Mining-Pool“. Für die Nutzung dieser Software erhalten wir von unseren Kunden als Vergütung einen prozentualen Anteil der von ihnen geminten Bitcoins.

Financial.de: Wie genau funktioniert ein Mining-Pool?

Jäger: Miner finden neue Blöcke und werden dafür mit Bitcoins bezahlt. Das Minen von Bitcoins selbst ist ein stochastischer Prozess: Wenn neue Blöcke gefunden werden, geschieht dies zufällig. Je höher die Rechenleistung ist, desto höher ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Block zu finden. In einem Mining-Pool legen Miner ihre Rechenleistung zusammen, weil das für sie den Vorteil hat, dass ihre Erträge kalkulierbarer werden. Die im Pool geminten Bitcoins werden anteilig an alle Miner im Pool ausgeschüttet, je nachdem, wieviel Rechenleistung sie beisteuern. Der Mining-Pool selbst ist ein Computerprogramm, das zum einen die gesammelte Rechenleistung zusammenschaltet, um damit Blöcke zu errechnen. Zum anderen werden über das Programm die Vergütung der angeschlossenen Miner sowie die Gebühren, die sie an den Betreiber des Pools entrichten, abgewickelt. Aufgrund der Größe unserer eigenen Mining-Aktivitäten machte es für uns Sinn, einen eigenen Pool zu entwickeln. Einerseits um die Vergütung zu sparen, die wir sonst an einen anderen Pool-Betreiber zahlen müssten, und andererseits, um von den angeschlossenen Minern genau diese Vergütung für die Bereitstellung unseres Pools einzunehmen.

Financial.de: Wieso nutzen Sie Seefracht-Container, in die Sie Ihre Mining-Hardware verbauen?

Jäger: Was von außen wie ein standardisierter 40-Fuß-Seefracht-Container aussieht, ist tatsächlich ein ultraeffizientes mobiles Mining-Hochleistungsrechenzentrum „Made in Germany“. Jeder unserer Container verfügt aktuell über 39.690 ASIC-Chips, der weltweit leistungsstärksten Bitcoin-Mining-Technologie auf Basis von 16-Nanometer Strukturgrößen. Obwohl wir an unserem ersten Standort, der Lefdal Mine in Norwegen, optimale Bedingungen vorfinden, sind unsere mobilen Container bereits heute darauf ausgelegt, rapide große modulare Mining-Kapazitäten zu niedrigen Kosten an jedem Ort der Welt bereitzustellen. Dieser Ansatz bietet eine einzigartige Kombination aus voller Flexibilität und nahezu unbegrenzter Skalierbarkeit.

Bild 1

Financial.de: Dominierender Faktor beim Mining sind die Energiekosten. Wie sieht es hiermit bei Ihnen aus?

Jäger: Umgerechnet auf einen Bitcoin können wir an Standorten in Norwegen Energiekosten in Höhe von 2.750 US-Dollar erzielen und arbeiten daran, diese weiter deutlich zu reduzieren. Damit sind wir günstiger als beispielsweise Island mit 5.400 US-Dollar oder Russland mit 4.700 US-Dollar durchschnittlichen Kosten pro Bitcoin, bei einem aktuellen Bitcoinpreis von rund 6.600 US-Dollar.

Financial.de: Herr Schultz, vergangene Woche haben Sie eine strategische Kooperation mit dem Mining-Giganten Rawpool bekanntgegeben. Was können Ihre Investoren von dieser Zusammenarbeit erwarten?

Schultz: Für uns bedeutet die Zusammenarbeit mit Rawpool in erster Linie eine bedeutende Erweiterung unseres Geschäftsmodells. Bislang waren wir in erster Linie als Bitcoin-Miner und mit dem von uns entwickelten Mining-Pool im Markt aktiv. Durch die Kooperation mit Rawpool haben wir nun den Zugriff auf die digitale Geldbörse Bpal Wallet sowie die führende Kryptobörse Bi.top Exchange, beide werden wir in Europa gemeinsam in den Markt einführen. Rawpool hat aufgrund der herausragenden Standortfaktoren größtes Interesse an unserer Facility in Norwegen, der Lefdal Mine. Darüber hinaus können wir über die dominante Marktstellung von Rawpool künftig unsere eigene Mining-Hardware weitaus günstiger einkaufen. Die durch die Kooperation möglichen Skaleneffekte haben uns sehr beeindruckt.

Financial.de: Herr Jäger, wie kam die Kooperation mit Rawpool zustande?

Jäger: Interessanterweise erhalten wir gerade Kooperationsanfragen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. Der Launch unseres Mining-Pools beginnt langsam Wellen zu schlagen. So sind wir auch vor wenigen Wochen auf dem Radar von Rawpool aufgetaucht – und sie haben uns kontaktiert. Bei den Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit wurde schnell klar, dass wir für Rawpool die Brücke in den europäischen Markt sein können. Rawpool hat großes Interesse an Geschäft in der Europäischen Union und hat uns als einzig relevanten Partner identifiziert. Für uns ein echter Ritterschlag, zumal Rawpool ja erst Mitte September für Furore sorgte, als sie sich mit 29 Prozent aller weltweit geminten Blöcke zwischenzeitlich als neuer Marktführer an die Spitze des globalen BitcoinCash-Minings setzten. Dass wir nun auf die technischen und operativen Ressourcen eines derart bedeutenden Partners zugreifen können, ist ein großartiger Erfolg für unser Unternehmen.

Financial.de: Herr Schultz, mit ihrem Xetra-Listing öffnen Sie sich erstmals professionellen Investoren. Welche weiteren Schritte am Kapitalmarkt sind geplant?

Schultz: Am Kapitalmarkt gehen wir als Northern Bitcoin AG ja gerade die allerersten Schritte. Hier geht es nun in erster Linie darum, das Unternehmen dem Kapitalmarkt weiter zu öffnen und Anlegern die Möglichkeit zu geben, sich ein fundiertes Bild über die Chancen und Risiken unseres Unternehmens zu machen. Die Coverage von Analysten, die Teilnahme an Kapitalmarktkonferenzen und die offene und transparente Kommunikation mit Investoren stehen dabei ganz oben auf unserer Liste. Hier werden wir uns auch zeitnah mit erfahrenem Personal verstärken, da unsere dynamische operative Entwicklung in diesem schnell wachsenden Bitcoin-Markt unsere volle Aufmerksamkeit erfordert.

Financial.de: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren? Wohin könnte die Reise gehen?

Schultz: Mit der Bitcoin-Blockchain bewegen wir uns auf einem unglaublich dynamischen und spannenden Gebiet. In unserem Kerngeschäft Bitcoin-Mining haben wir uns mittelfristig das ambitionierte Ziel gesteckt, in einer ersten Ausbaustufe 100 Bitcoins am Tag zu minen. Unser erster Standort Lefdal kann bis zu 1.500 Container aufnehmen, dieses erste operative Ziel würden wir bereits mit zirka 280 Containern erreichen. Daneben gilt es, unseren Pool weiter zu vergrößern, indem sich externe Miner anschließen. Es ist die perfekte Ergänzung zu unseren eigenen Mining-Aktivitäten, da wir mit dem Pool Umsatz und Marge steigern, ohne selbst zusätzliche Investitionen in Hardware tätigen zu müssen. Ganz neu hinzu kommen die Aktivitäten mit unserem strategischen Partner Rawpool, die uns für Europa die Geschäftsbereiche digitale Geldbörse „Bpal Wallet“ sowie Handelsplattform „Bi.top-Exchange“ bringen. Alles in allem sehen wir uns exzellent aufgestellt, um in den kommenden Jahren als Pionier und First Mover das führende europäische Unternehmen im Bereich Bitcoin-Blockchain aufzubauen.

Financial.de: Herr Schultz, Herr Jäger, vielen Dank für das Interview.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.


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