MANAGEMENT INTERVIEW

10:16 | 24.11.2015
PANTALEON startet globale Filmplattform: „PANTAFLIX ist noch gar nicht eingepreist“

Die börsennotierte PANTALEON Entertainment AG (ISIN DE000A12UPJ7) zählt zu den führenden deutschen Produktionsunternehmen für Kinofilme und innovative Unterhaltungsformate. Für Schlagzeilen sorgte die Gesellschaft nun mit ihrer Ankündigung, im Frühjahr 2016 mit dem globalen Roll-out einer innovativen Video-on-Demand-Plattform zu starten. Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit soll „PANTAFLIX“ ein völlig neues Vertriebsmodell für die Filmbranche schaffen. Schon jetzt ist der Zuspruch gigantisch, wie PANTALEON-CEO Dan Maag im Interview mit financial.de verrät.

Financial.de traf PANTALEON-CEO Dan Maag zum Exklusivinterview und sprach mit ihm über die Erfolge im Kerngeschäft, den Anteilseigner Matthias Schweighöfer und die Ziele mit PANTAFLIX.

financial.de: Herr Maag, die PANTALEON Entertainment AG ist seit März 2015 börsennotiert, bisher aber nur wenigen Anlegern ein Begriff. Sie selbst beschreiben sich als „ein Medienunternehmen mit einer starken Fokussierung auf den Bereich Kino“. Welche Stufen im Herstellungsprozess eines Kinofilms decken Sie dabei ab?

Dan Maag: Wir decken jede Stufe ab – 360 Grad. Unsere Kreativteams finden die Ideen, unsere Autoren entwickeln die Drehbücher, unsere Produktionscrews drehen die Filme. Unser Ansatz geht aber weit über die reine Herstellung hinaus. Unser Tochterunternehmen March&Friends entwickelt Marketingkampagnen und steuert die Social Media-Vermarktung der einzelnen Projekte – für unsere Filme, aber auch für Produktionen Dritter. Die Zukunft liegt massiv in der Onlinevermarktung. Hier waren wir frühzeitig Trendsetter und haben gewaltige Kompetenz in einem starken Netzwerk gebündelt.

financial.de: Wie finanzieren Sie Ihre Filme und welche Ertragschancen ergeben sich daraus für PANTALEON?

Dan Maag: Grundsätzlich gelingt es uns, mit einem sehr geringen eigenen Risiko große Produktionen zu realisieren und uns so überdurchschnittliches Potenzial zu sichern. In der Regel können wir mit weniger als 5 Prozent Eigenkapitalanteil am Filmbudget einen Eigentumsanteil von über 60 Prozent am Film generieren. Uns gelingt dies, da wir schon weit vor den Dreharbeiten die Produktionen an entsprechende Kinovertriebe, Fernsehsender usw. verkaufen. Diese Partner bezahlen so gut und gerne 50-60 Prozent der Produktionskosten. Zudem verfügen wir in Deutschland über ein breit angelegtes Filmförderungsprogramm. Wir nutzen dieses natürlich bei jedem passenden Projekt aus. Grob gesagt, finanzieren wir so die zweite Hälfte der Produktionskosten, ohne ein wirtschaftliches Risiko einzugehen.

financial.de: Wie viel Geld nehmen Sie dafür in der Regel selbst in die Hand? Könnten Sie uns dies bitte an einem konkreten Beispiel erläutern?


Maag
Dan Maag: Lassen Sie mich das am Beispiel unseres Kinofilms „Frau Ella“ erläutern. Bei einem Budget von ca. 5,5 Mio. Euro waren wir mit lediglich 150.000 Euro bzw. 2,7 Prozent selbst investiert, sind aber als Hersteller und Urheber mit 67 Prozent als Eigentümer des Films an den Erlösen über alle Verwertungsstufen beteiligt.

financial.de: Der Erfolg eines Kinofilms ist ja nur bedingt plan- und steuerbar. Welche Konsequenzen für PANTALEON haben Erfolg und Misserfolg an der Kinokasse?

Dan Maag: Unser Geschäftsmodel beinhaltet, das unser Risiko bei einem Flop wie beschrieben sehr limitiert ist und sich – wenn überhaupt – auf einen Verlust von nur maximal 5 Prozent des Budgets beschränkt. Dagegen profitieren wir im Erfolgsfall durch unsere Eigentumsposition am Film in Höhe von mehr als 60 Prozent von einem attraktiven, Jahre bis hin zu Jahrzehnten andauernden Erlösstrom über alle Verwertungsketten. Neben den Kinoerlösen erwarten uns Erlöse aus dem Bereich Home Entertainment, Video on Demand, Pay-TV und letztendlich die für uns sehr lukrative Verwertung im Free-TV, bei der es im Erfolgsfall zusätzliche bonusartige Zahlungen in Millionenhöhe geben kann.

financial.de: Könnten Sie uns dies bitte anhand Ihrer bisherigen Filme verdeutlichen.

Dan Maag: Von den sieben Kinoproduktionen, die wir seit Gründung der PANTALEON hergestellt haben, wurden erst 5 in die Kinos gebracht. Jede dieser Produktionen startete in der Kinoauswertung auf Platz 1 der Kinocharts und entwickelte sich zum so genannten „Blockbuster“ – mancher Film als erfolgreichster nationaler Film des jeweiligen Jahres. Die Erlöse in den folgenden Verwertungsstufen waren entsprechend attraktiv. Doch es ist wichtig zu wissen: Nur zwei dieser fünf Filme sind überhaupt erst im Free-TV ausgestrahlt worden. Das bedeutet, dass wir uns allein aus unserem bestehenden Rechtestock noch auf kontinuierliche Erlöse freuen dürfen, da die Mehrzahl unserer Filme zwar mit überragendem Erfolg in den Kinos lief, die Verwertung im Free-TV aber noch bevorsteht.

financial.de: Wie sieht Ihre Filmpipeline für die kommenden Monate aus? Welche Erwartungen haben Sie an diese Projekte?

Dan Maag: Wir haben es in den letzten Jahren konsequent geschafft, im deutschsprachigen Markt auf Platz eins der Kinocharts zu starten. Das ist in diesem Geschäft eine bemerkenswerte Performance. Für uns ist das aber kein Zufall, sondern das Ergebnis unserer Arbeit sowie einer steten Marktanalyse und zielgruppenfokussierten Produktion und Vermarktung. In der nächsten Phase wollen wir uns nun einem größeren, nämlich dem englischsprachigen, globalen Markt annehmen. Mit europäischen Kreativen und Talenten, die wir in unseren Teams bündeln.

financial.de: Inwiefern ist Ihre Projektpipeline bereits international ausgerichtet?

Dan Maag: Produkte für eine globale Zuschauerschaft herstellen, ist das Motto unserer Projektpipeline. Insgesamt entwickeln wir zurzeit über 30 sehr hochwertige Film- und Serienkonzepte. Viele darunter sind natürlicherweise für eine globale Auswertung geeignet, so zum Beispiel die weltweit exklusive Verfilmung der Biographie von Papst Benedikt. An diesem Film gibt es weltweit schon jetzt enormes Interesse – das werden wir bedienen. Natürlich darf man aber auch weitere deutschsprachige Erfolgskomödien aus dem Hause PANTALEON erwarten, auch hier haben wir ein unschlagbares Netzwerk von Kreativen vor und hinter der Kamera.

financial.de: Matthias Schweighöfer tritt bei PANTALEON nicht nur als Schauspieler und Regisseur, sondern auch als Anteilseigner in Erscheinung. Wie abhängig ist PANTALEON von der Person Schweighöfer?

Dan Maag: Matthias Schweighöfer ist Mitgründer der Firma. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren bewiesen, wie sinnvoll es für Kreative sein kann, an den eigenen Werken auch als Hersteller, quasi unternehmerisch beteiligt zu sein. Viele Kreative fühlen sich von der Branche ungerecht behandelt und kaufmännisch nicht ernst genommen. Wir wissen, dass guter Content nur von zufriedenen Machern kommt und haben mit dem „Model Schweighöfer“ eine Blaupause für andere Kreative geschaffen, die wir jetzt auch nach und nach exklusiv an uns binden. Schweighöfer als Filmemacher gibt es nur exklusiv bei PANTALEON, aber andere eben auch – und stetig mehr.

financial.de: Nach einem positiven Ergebnis in 2013 haben Sie im vergangenen Geschäftsjahr Verluste geschrieben. Woran lag das?

Dan Maag: Nach einem Gewinn von 2,8 Mio. Euro in 2013 haben wir 2014 auf Konzernebene einen moderaten Verlust von 0,39 Mio. Euro ausgewiesen. Dies beruht maßgeblich auf unserer Entscheidung, massiv in die Zukunft zu investieren und uns als Unternehmen für das weitere Wachstum zu positionieren. So haben wir intensiv in die Projektentwicklung im Filmbereich investiert und unsere Pipeline von 15 auf aktuell über 30 konkrete Projekte mehr als verdoppelt. Mit den ersten Projekten für den globalen Markt haben wir uns jetzt sehr breit gefächert und trotz schnellen Wachstums solide aufgestellt. Es ist ganz natürlich, dass man im Development früh sät und mit einem zeitlichen Versatz erntet. Filmproduktion ist kein kurzfristiges Geschäft.

financial.de: Und wann rechnen Sie damit, dass diese Strategie aufgehen wird?

Dan Maag: Unsere Strategie geht schon jetzt auf. Wir befinden uns nicht zuletzt dank unserer Investitionen bereits in einer sehr dynamischen Wachstumsphase. So haben wir im ersten Halbjahr des laufenden Jahres schon mehr Umsatz erwirtschaftet, als im gesamten Vorjahr. Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Quartalen auch in einen großen zukünftigen Wachstumsbereich investiert, den wir als logische Weiterentwicklung unseres Konzeptes empfinden – den digitalen Vertrieb. Hier haben wir aus unserer Sicht die Chance, mit unserem Ansatz den Markt grundlegend zu verändern, was sich schon mittelfristig in den Zahlen bemerkbar machen sollte.

financial.de: Sie sprechen den starken Umsatzanstieg im ersten Halbjahr an, gleichzeitig verfügen Sie zum 30. Juni über liquide Mittel in Höhe von 12,2 Mio. Euro. Wie ist Ihre Prognose für das Gesamtjahr?

Dan Maag: Wie bereits auf unserer Hauptversammlung im Sommer angekündigt, erwarte ich für 2015 eine Umsatzsteigerung im deutlich dreistelligen Prozentbereich. Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine führende Marktstellung erarbeitet und neben soliden Kennzahlen einen hervorragenden und zunehmend exklusiven Zugriff auf die entscheidenden kreativen Köpfe gesichert. Dies ist eine ausgezeichnete Basis für unsere beginnende Internationalisierung und die Expansion in weitere Geschäftsbereiche, wie die digitale Distribution.

financial.de: Vor wenigen Tagen haben Sie mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, im Frühjahr 2016 mit dem globalen Roll-out einer innovativen Video-on-Demand (VoD) Plattform zu starten. Was verbirgt sich genau hinter „PANTAFLIX“?

Dan Maag: Als Produzent haben wir uns immer gewundert, wie schwer es ist, die eigenen Filme einem globalen Markt zur Verfügung zu stellen und sie gleichzeitig zu monetarisieren. Man ist immer abhängig von Mittelsmännern, die Filme für ein gewisses Territorium kaufen und sich dabei natürlich auf die größten Produktionen konzentrieren. Es fehlt der Marktplatz für das gigantisch große Mittelfeld. Hier gibt es weltweit die spannendsten Filme und andererseits auch ein riesiges Interesse beim Zuschauer, selbstbestimmt aus einem tatsächlich globalen Angebot auszuwählen. Dieses Problem beklagt die Branche seit vielen Jahren. Mit PANTAFLIX schaffen wir Abhilfe, wir verbinden Produzenten und Konsumenten direkt, keine Umwege, keine Dritten, die mitverdienen.

financial.de: Wie wollen Sie sich mit Ihrer Plattform gegen scheinbar übermächtige Gegner wie Amazon und Netflix behaupten?

Dan Maag: Das Geschäftsmodell von PANTAFLIX unterscheidet sich grundlegend von den bestehenden Video-on-Demand-Anbietern. Diese Plattformen kaufen Rechte für einzelne Territorien, entscheiden sich daher immer für die vermeintlich einfachsten Projekte – entsprechend findet eine massive Selektion statt. 90 % aller weltweit produzierten Filme finden außerhalb des Herstellungslandes praktisch nicht statt und können von niemandem gesehen werden. Das liegt in diesen Geschäftsmodellen begründet. PANTAFLIX kauft keine Rechte, PANTAFLIX schafft nur die Infrastruktur und unterstützt bei der Vermarktung. Dafür bekommen wir eine Fee. Wir bedienen eine Nische, die in diesem Fall aber viel größer ist, als der bestehende Markt.

financial.de: Neben einem breiten Filmangebot sind für den wirtschaftlichen Erfolg von PANTAFLIX auch eine große Reichweite und eine hohe Markenbekanntheit entscheidend. Welche Vertriebswege werden Sie beschreiten und welche Märkte haben Sie dabei im Visier?

Dan Maag: PANTAFLIX ist ganz natürlich ein globales Produkt. Unser Claim lautet „ONE WORLD ONE SCREEN”. Da ist es selbstverständlich, dass wir auch ab Launch global zur Verfügung stehen. Im Marketing konzentrieren wir uns aber erstrangig auf zehn Kernmärkte, in denen wir mit Kampagnen starten werden. Wir verbinden zum Beispiel die südamerikanische, spanischsprachige Filmbranche mit dem spanischen Markt, setzen auf die türkischen Filmhersteller, die die über zwei Millionen in Deutschland lebenden Türken erreichen wollen und so weiter. Auf diesen Achsen braucht man nicht viel erklären, da warten Millionen Leute auf unser Produkt.

financial.de: Wir würden gerne auch etwas über Ihre mittelfristigen Ziele mit PANTAFLIX erfahren oder ist es dafür noch zu früh?

Dan Maag: Wir wollen schnell der Ort werden, den man besucht, wenn man gute Filme konsumieren will, zu jeder Zeit und auf jedem Gerät. Für die Filmbranche schaffen wir mit PANTAFLIX ein völlig neues Vertriebsmodell. Wir automatisieren einen Prozess, der bisher ein reines und kapitalintensives „People Business“ war – hier ist der Zuspruch schon jetzt gigantisch.

financial.de: PANTALEON wird an der Börse aktuell mit rund 50 Mio. Euro bewertet. Wie viel „PANTAFLIX“ ist Ihrer Meinung dabei schon eingepreist?

Dan Maag: PANTAFLIX ist hier aus unserer Sicht noch gar nicht eingepreist, da wir gegenwärtig überhaupt erst beginnen, diesen Bereich zu kommunizieren.

financial.de: Herr Maag, vielen Dank für das Interview.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.


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