MANAGEMENT INTERVIEW

9:35 | 07.04.2016
STRATEC: „Weitere interessante Akquisitionen sind möglich“

Lukrativer Zukauf: Mit der Übernahme der ungarischen Diatron erwirbt STRATEC Biomedical nicht nur 34 Millionen Euro hochprofitablen Umsatz, zugleich gelingt mit der Akquisition der „kleinen STRATEC“ der Einstieg in ein attraktives Marktsegment. Durch die gemeinsame Entwicklung und Fertigung neuer Produkte erwartet der TecDAX-Konzern mittel- bis langfristig deutliche Kostenvorteile. Und der Spezialist für Analysensysteme will weiter expandieren: Vor allem Technologie-Know-how in Wachstumsfeldern steht dabei im Fokus.

financial.de sprach mit STRATEC-CEO Marcus Wolfinger (Foto) über die erwarteten Synergien, die EBIT-Marge von über 18 Prozent und die aktuelle Einstiegschance für Anleger nach der 30-Prozent-Korrektur der TecDAXAktie.

financial.de: Herr Wolfinger, in einem früheren Interview haben Sie angekündigt, dass STRATEC seine erfolgreiche Buy- & Build-Strategie fortsetzen wird. Warum ist Ihre Wahl nun auf den ungarischen Wettbewerber Diatron gefallen?

Marcus Wolfinger: Diatron ist kein Wettbewerber von STRATEC im klassischen Sinn, sondern als „kleine STRATEC“ in einem anderen Marktsegment tätig. Während unsere eigenen Kompetenzen vor allem in der Entwicklung von Systemen für die Blutgruppenserologie, Molekulare Diagnostik und für Immunoassays liegen, verstärken wir uns mit der Diatron-Übernahme nun um den Bereich Hämatologie. Diatron und STRATEC beliefern zum Teil als OEM-Lieferanten die gleichen global tätigen Life-Science-Unternehmen, ohne sich jedoch Konkurrenz zu machen. Mit dem Kauf dieses innovationsstarken Unternehmens erweitern wir somit unser Produkt- und Kundenspektrum in einem sehr attraktiven Marktsegment.

financial.de: STRATEC ist bekannt für seine hohen Ansprüche in Bezug auf die M&A-Strategie. Inwiefern erfüllt Diatron diese Kriterien?

Wolfinger: Im Rahmen unserer M&A-Strategie haben wir eine ganze Reihe wichtiger Kriterien erarbeitet, von denen potenzielle Übernahmekandidaten einen Großteil erfüllen müssen. Hierzu gehören u. a. ein erfolgreiches Geschäftsmodell, eine kritische Umsatzgröße inklusive wiederkehrender Erlöse sowie ein erfahrenes Management-Team. Im Fall von Diatron wurden die relevanten Kriterien erfüllt und für unsere Aktionäre ist dabei sicherlich von Bedeutung, dass die Übernahme direkt zu einem positiven Ergebnisbeitrag führt. Zudem ist uns die Tatsache wichtig, dass wir durch die Übernahme nicht in Konkurrenz zu unseren Kunden treten, d. h. unser erfolgreiches Geschäftsmodell auch nicht verändern.

financial.de: Können Sie schon Angaben zu den erwarteten Synergien machen, die Ihnen die Integration von Diatron in die STRATEC-Gruppe eröffnet?

WolfingerWolfinger: Diatron liefert bereits auf Stand-Alone-Basis einen positiven Ergebnisbeitrag, dazu kommen kurzfristige Synergiepotenziale u. a. in den Bereichen Verwaltung, IT und Einkauf, die wir aktuell jedoch noch nicht quantifi zieren möchten. Die größeren Synergiepotenziale erwarten wir allerdings mittel- bis langfristig bei der gemeinsamen Entwicklung und Fertigung neuer Produkte. So werden wir bei der nächsten Generation von Geräten über eine gemeinsame Plattformstrategie deutliche Kostenvorteile nutzen können.

financial.de: Zum Kaufpreis haben Sie keine Angaben gemacht. Analysten schätzen, dass STRATEC weniger als den zweifachen Jahresumsatz für 100 Prozent der Diatron-Anteile bezahlt hat. Wie werden Sie den Kauf finanzieren?

Wolfinger: Mit dieser Kaufpreisschätzung liegen die Analysten nicht falsch. Zur Kaufpreiszahlung haben wir neben einem Teil unserer vorhandenen Liquiditätsreserven auch eine Brückenfi nanzierung in Anspruch genommen. Und zwar vor dem Hintergrund, dass wir augenblicklich noch andere interessante mögliche Akquisitionen in der Pipeline haben. Entsprechend werden wir die finale Finanzierung erst dann abschließen, wenn wir konkret wissen, welchen weiteren Finanzierungsbedarf wir noch haben werden.

financial.de: Inwiefern ist diese Akquisition auch eine Reaktion auf die jüngst vermeldete Wachstumsschwäche im Kerngeschäft, insbesondere im China-Geschäft, das hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt?

Wolfinger: Allein die zeitliche Nähe der jetzt gemeldeten Übernahme zur Korrektur unserer mittelfristigen Finanzprognose zeigt, dass unsere Akquisitionsbemühungen völlig unabhängig von der jüngsten Schwäche im China-Geschäft zu sehen sind. Bereits im vergangenen Jahr haben wir angekündigt, dass wir uns wieder aktiv nach geeigneten Akquisitionskandidaten umsehen. Dass die positiven Impulse durch den Zukauf die temporäre Schwäche in Asien mehr als kompensieren, ist ein willkommener Nebeneffekt, war jedoch nicht ausschlaggebend für diese Entscheidung.

financial.de: Sie haben mögliche weitere Übernahmen angesprochen. Auch die Analysten von Berenberg wären nicht überrascht, wenn STRATEC weitere Akquisitionen durchführen würde. Haben Sie dabei ähnliche Kandidaten wie Diatron im Blick?

Wolfinger: Unsere Akquisitionsstrategie hat traditionell zwei Stoßrichtungen: Option 1 ist der Zukauf von Marktzugang, Umsatz und Ertrag in nicht-kompetitiven, nicht mit Kundenportfolien überlappenden Feldern, wie jetzt im Fall Diatron geschehen. Option 2 ist der Zukauf von Technologie-Know-how in Wachstumsfeldern. Die möglichen Akquisitionen, die wir aktuell noch in der Pipeline haben, gehören eher zur zweiten Stoßrichtung, sprich die Zukäufe wären eher technologisch motiviert.

Den vollständigen Text können Sie hier herunterladen: INTERVIEW

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.


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